Der Maler, der als Sandro Botticelli in die Kunstgeschichte einging, wurde (vermutlich) am 1. März 1445 als achtes Kind und jüngster von vier Söhnen des Gerbers Mariano di Vanni Filipepi und dessen Frau Smeralda in Florenz geboren. Die Familie wohnte im Viertel Santa Maria Novella, in dem Botticelli sein Leben weitgehend verbringen sollte. Mit dem Namen Botticelli, was „Fässchen“ bedeutet, wurde als erster der älteste Sohn Giovanni bezeichnet, der möglicherweise rundlich oder dem Alkohol zugetan war. Obwohl dieser Name im Grunde wenig schmeichelhaft war, wurde er im Laufe der Zeit von den anderen Mitgliedern der Familie Filipepi übernommen, so auch vom jüngsten Sohn Alessandro.
Über die Lehrjahre Sandro Botticellis ist nur wenig gesichert, vor allem nicht, ob er zunächst tatsächlich die Laufbahn eines Goldschmieds einschlagen wollte. Seine Ausbildung absolvierte er sehr wahrscheinlich bei Filippo Lippi. Dafür sprechen die stilistischen Gemeinsamkeiten der beiden Maler und vielleicht auch die Tatsache, dass Lippis unehelicher Sohn Filippino ab 1472 Botticellis Schüler war.
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Seine eigene Werkstatt im Hause seiner Familie führte Botticelli spätestens ab 1470, dem Jahr, aus dem auch sein erster dokumentierter Auftrag stammt: Er sollte Piero de Pollaiuolo bei der Ausführung von sieben Bildtafeln mit den Personifikationen der sieben Tugenden für den Sitzungssaal des Handelsgerichts von Florenz unterstützen. Eigentlich sollte er zwei Tafeln malen, schließlich stammte jedoch nur eine, Fortezza („Stärke“), von seiner Hand. Ansonsten führte er in den ersten Jahren seiner Selbstständigkeit vor allem die damals so beliebten Madonnenbilder aus, darunter Madonna mit Kind und Johannes dem Täufer, das sich heute im Louvre befindet.
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Die für sein Schaffen so wichtige Verbindung zur mächtigen Familie Medici, den mehr oder weniger heimlichen Herrschern von Florenz, war Mitte der 1470er Jahre offenbar bereits gefestigt. Dies legt das um 1476 entstandene Gemälde Die Anbetung der Heiligen drei Könige nahe, das der mit den Medici befreundete Bankier Guaspare di Zanobi del Lama bei Botticelli als Altarbild für die Grabkapelle seiner Familie in der Kirche Santa Maria Novella in Auftrag gegeben hatte. Die dargestellten Personen sind größtenteils als bekannte Florentiner Persönlichkeiten zu identifizieren, zum einen natürlich der Auftraggeber selbst, zum anderen männliche Mitglieder aus drei Generationen der Familie Medici, von denen einige zu jenem Zeitpunkt schon gar nicht mehr am Leben waren. Botticelli, der sich ganz rechts im Bild selbst dargestellt haben soll, hat sich für diese Arbeit also sehr wahrscheinlich im engeren Umfeld der Medici bewegt.
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Wenige Jahre später war es dann auch Botticelli, der einen besonderen Auftrag vom damaligen Familienoberhaupt Lorenzo di Piero de’ Medici (genannt „der Prächtige“) erhielt. Im April 1478 fiel Giuliano de’ Medici, Lorenzos jüngerer Bruder der Pazzi-Verschwörung zum Opfer. Um die Macht der Medici zu brechen, hatten sich die mit ihnen konkurrierenden Familien Pazzi und Salviati, mit Unterstützung von Papst Sixtus IV., zusammengetan und ließen Giuliano im Dom Santa Maria del Fiore niederstechen. Lorenzo sollte dasselbe Schicksal blühen, doch er konnte entkommen. Die Verschwörer wurden öffentlich gehängt und Botticelli wurde damit beauftragt, dies in einem sogenannten, heute nicht mehr erhaltenen, Schandgemälde festzuhalten. Ein von ihm ausgeführtes Porträt Giulianos, das kurz vor oder nach dem Attentat entstanden war, wurde mehrfach kopiert.
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Nachdem sich Florenz und Sixtus IV. ausgesöhnt hatten, wurde Botticelli zusammen mit weiteren Malern 1481 nach Rom berufen, um die Wände der soeben vollendeten Sixtinische Kapelle mit Fresken auszustatten. Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt wurde Botticelli zum gefragten Raumgestalter für die dortige Oberschicht. Dabei ging es auch und vor allem um die bildliche Ausstattung privater Räumlichkeiten wie Schlafzimmer, insbesondere Brautgemächer, was den damaligen Künstlern, die sonst vor allem Aufträge mit religiösem Inhalt erhielten, ganz neue Bildthemen im Sinne jenes humanistischen Kreises eröffnete, den Lorenzo der Prächtige um sich aufgebaut hatte. In diesem Zusammenhang sind auch die zwei bekanntesten Gemälde Botticellis zu nennen, Die Geburt der Venus und Der Frühling, die, heute in den Uffizien ausgestellt, früher die Wände in Anwesen der Medici geschmückt hatten. Auch Mars und Venus wird ursprünglich für ein Brautgemach gedacht gewesen sein, vermutlich als Frontbild für eine Aussteuertruhe, ein cassone.
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Natürlich bekamen diese Bilder zu Lebzeiten Botticellis nur wenige Menschen zu sehen. Die breite Öffentlichkeit musste sich mit jenen Werken begnügen, die über den Altären und an den Wänden der Florentiner Kirchen und in anderen öffentlichen Gebäuden zu finden waren. Wobei hier von begnügen keine Rede sein kann, denn die diesbezüglichen Aufträge waren zahlreich und standen den für den Privatgebrauch gemalten Werken an Kunstfertigkeit und Qualität in Nichts nach.
Überlastet hat Botticelli sich und die Mitarbeiter seiner Werkstatt, die er im Wohnhaus seiner Familie eingerichtet hatte, aber wohl nie, er setzte lieber auf Qualität denn auf Quantität und es war ihm wichtig, die bestellten Werke zuverlässig, aber dennoch höchsten Ansprüchen genügend, abzuliefern. Zum Vergleich: die Auftraggeber Leonardo da Vincis mussten manchmal jahrelang auf ihre Bestellung warten, bisweilen sogar vergeblich. An dieser Stelle sei angemerkt, dass Botticelli und der sieben Jahre jüngere Leonardo über die Kunst des jeweils anderen keine lobenden Worte fanden, was in den gänzlich unterschiedlichen Stilen begründet gewesen sein mag. Während Botticelli in seinen Kompositionen auf klare Konturen des setzte, bevorzugte Leonardo da Vinci zunehmend die Verschwommenheit des sfumato.
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1492 starb Lorenzo der Prächtige, womit Botticellis zwar einen bedeutenden Auftraggeber verlor, seine Verbindung zu den Medici jedoch nicht endete. In Lorenzo di Pierfrancesco de’ Medici, der dem jüngeren Zweig der Familie entstammte, hatte er nach wie vor einen wichtigen Mäzen. Derweil zeigte Piero di Lorenzo de’ Medici, der Sohn und Nachfolger Lorenzos des Prächtigen, in den damals unruhigen Zeiten politisch nur wenig Geschick, was 1494 schließlich zu der Verbannung von ihm und seiner Familie aus Florenz führte. Ein anderer Herrscher übernahm die Macht, wenn auch nur indirekt: der Dominikanermönch Girolamo Savonarola aus Ferrara, der in seinen Predigten die Korruption der Kirche und den Lebenswandel der Oberschicht anprangerte, der seiner Ansicht nach von weltlichen Eitelkeiten und von Gotteslästerei geprägt war. Schnell hatte er einen Kreis aus Anhängern um sich geschart, ob Sandro Botticelli einer von ihnen war, ist nicht gewiss, sein nächst älterer Bruder Simone war es jedenfalls.
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Die Herrschaft Savonarolas dauerte vier Jahre und endete 1498 mit seiner Hinrichtung durch Hängen und anschließendem Verbrennen, nachdem er zuvor vom Papst bereits exkommuniziert worden war. Botticelli verbrachte diese Jahre häufig außerhalb von Florenz, wo er und seine beiden ältesten Brüder, Giovanni und Antonio, 1492 ein Landhaus erworben hatten, und widmete sich bevorzugt der Ausstattung der ländlichen Residenzen jener wohlhabenden Florentiner Familien, die trotz der Predigten Savonarolas ihren Lebensstil beibehielten.
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In diesen Jahren führte Botticelli zwei interessante Werke aus. Zum einen eine umfangreiche Arbeit mit Illustrationen zu Dante Alighieris Göttlicher Komödie, zum anderen das Temperagemälde Die Verleumdung des Apelles. Die Illustrationen, von denen sich 93 Pergamentblätter erhalten haben, sind die wenigen zweifelsfrei zuschreibbaren Zeugnisse von Botticellis außerordentlichem Talent als Zeichner. Auftraggeber des Zyklus, dessen einzelne Bilder in unterschiedlichen Stadien der Ausführung vorliegen, war Lorenzo di Pierfrancesco des Medici, dessen früher Tod im Jahre 1503 möglicherweise die Fertigstellung verhinderte.

Mit Die Verleumdung des Apelles griff Botticelli ein nur in Beschreibungen überliefertes Gemälde des bedeutenden antiken Malers Apelles auf. Apelles hatte sein Werk dem ägyptischen König Ptolemaios I. geschenkt, nachdem man ihn diesem gegenüber verleumdet hatte. Dargestellt ist Apelles, der an seinen Haaren vor den König geschleift wird, welcher, mit den Eselsohren König Midas’ ausstaffiert, falschen Einflüsterungen lauscht. Das Gemälde vereint die Personifikationen vieler schlechter Eigenschaften, denen die „nackte Wahrheit“, die der Protagonistin in Die Geburt der Venus ähnelt, gegenübersteht. Ob und für wen Botticelli, der zu Lebzeiten wiederholt mit Apelles verglichen wurde, das Gemälde als Auftrag ausführte, ist nicht bekannt.
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In seinen späten Jahren widmete sich Botticelli vor allem der religiösen Malerei, was natürlich auch mit den Aufträgen, die er erhielt, zusammenhing. Florenz befand sich damals in einer Krise. Neben politischen und klerikalen Schwierigkeiten kam es aufgrund von schlechten Wetterbedingungen häufig zu Hungersnöten und die Pest und anderen Seuchen flammten immer wieder auf. Spannend ist in diesem Zusammenhang, dass sich Botticelli, als einer der ersten Maler überhaupt, in einem seiner Werke tatsächlich zu Wort meldete: Mystische Geburt (auch Anbetung des Kindes genannt) von 1500/01, an dessen oberen Ende in griechischer Schrift und Sprache eine Botschaft des Künstlers zu lesen ist. Sowohl mit dem Motiv als auch mit der Inschrift brachte Botticelli seine Hoffnung auf die baldige Erlösung nach den aktuell unruhigen Zeiten, die er mit der Apokalypse gleichsetzte, zum Ausdruck.

In den letzten zehn Jahren seines Lebens tritt Botticelli, möglicherweise von Krankheit gezeichnet, kaum mehr in Erscheinung und es lassen sich nur wenige Werke in diesen Zeitraum datieren. Vielleicht kann die unvollendet gebliebene Anbetung der Heiligen drei Könige als sein letztes Werk betrachtet werden. Dass er nach wie vor in seiner Heimatstadt hochgeschätzt war, belegt nicht zuletzt die Tatsache, dass er 1504 einer Kommission von Künstlern angehörte, die darüber entscheiden sollte, wo Michelangelos monumentaler David aufgestellt werden sollte.
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Sandro Botticelli starb am 17. Mai 1510 im Alter von 65 Jahren in seiner Heimatstadt Florenz. Nachdem er zu Lebzeiten ein hochgelobter Künstler gewesen war, geriet er in der Folgezeit zunehmend in Vergessenheit. Dies änderte sich ab dem 19. Jahrhundert, als Künstlergruppen wie die Präraffaeliten seine Kunst wiederentdeckten. Ebenso trug die Überführung seiner Werke in öffentliche Sammlungen dazu bei. Allen voran natürlich Die Geburt der Venus, das seit 1815 in den Uffizien ausgestellt wird und heute zu den größten Ikonen der Kunstgeschichte zählt.

Auf dem Auktionsmarkt erzielen Werke von Botticelli Preise in zweistelliger Millionenhöhe. Der aktuelle Rekord wurde im Jahr 2021 aufgestellt, als Porträt eines jungen Mannes mit Rundbild von ca. 1470-80 bei Christie’s in New York für 92,2 Millionen US-Dollar verkauft wurde.
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