Lillemor Mannerheim wurde 1927 im nordwestlich von Helsinki gelegenen Vichtis auf dem Gut Niemenkylä geboren. Ihre Mutter Ingeborg stammte aus Norwegen, ihr Vater, Graf Carl Erik Mannerheim, war der Neffe des späteren finnischen Staatspräsidenten Gustaf Mannerheim.
Lillemors Familie hatte über mehrere Generationen hinweg selbst Künstler hervorgebracht und pflegte zudem einen intensiven Umgang mit anderen Kunstschaffenden. In diesem Umfeld stand es außer Frage, dass Lillemors früh erwachtes künstlerisches Talent gefördert wurde. Neben dem Zeichnen und Modellieren fand Lillemor bereits in jungen Jahren einen Zufluchtsort in der Natur, die Niemenkylä mit ihrer Vegetation, ihrer Fauna und der Landwirtschaft umgab. Diese Interessen sollten sich auf ihr zukünftiges künstlerisches Schaffen auswirken und auch im Mittelpunkt ihrer Lebensauffassung stehen, nach der der Lauf des Lebens von einer ständigen Weiterentwicklung geprägt war.

Nachdem sich Lillemors Eltern 1938 hatten scheiden lassen, ging Mutter Ingeborg mit ihrer Tochter und ihren beiden Söhnen nach Helsinki, wo sie bis zum Angriff der Sowjetunion auf Finnland im Jahr 1939 lebten. Man zog weiter nach Lekum in Ingeborgs Heimatland Norwegen. Als es zur deutschen Besatzung Norwegens kam, brach man erneut die Zelte ab und ging ins schwedische Värmland. 1940 kehrten Ingeborg und ihre Kinder nach Helsinki zurück.
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Nach dem Krieg zog es Lillemor Mannerheim 1945 erneut nach Schweden, dieses Mal freiwillig, um an der Konstfack Keramik zu studieren. Nach den Jahren im vom Krieg zerrütteten Finnland, erschien ihr Stockholm wie ein Paradies. Ein Zukunftsglaube und eine Sehnsucht nach Freiheit fängt an, sich bemerkbar zu machen – auch in der Kunst. Alte Vorstellungen und Konventionen werden in Frage gestellt und es entsteht eine neue Generation mit neuen künstlerischen Idealen. So blühte etwa während Lillemors Studienzeit in Stockholm die Sprache der abstrakt-geometrischen Moderne auf. Während des Sommers absolvierte Lillemor ein Praktikum bei Arabia, wo sie Künstler wie Birger Kaipiainen, Rut Bryk und Toini Muona kennenlernt, denen in dem finnischen Betrieb mehr Freiheiten gewährt werden, als ihren Kollegen in Schweden.
1949 machte Lillemor ihren Abschluss und sie war im Anschluss eine jener Frauen, die eine Probeanstellung in der Porzellanfabrik Gefle bekamen. Dort musste sie sich zunächst ein Atelier mit Arthur Percy, dem Hauptkünstler bei Gefle, teilen, wurde später aber zu Upsala-Ekeby versetzt, das zur selben Unternehmensgruppe gehörte. Dort kam sie in engen Kontakt zu weiteren Künstlerinnen, darunter Anna-Lisa Thomson und Ingrid Atterberg.

Doch erst in Paris, wohin es sie im Jahr 1950 zieht, kann Lillemor wirklich mit ihrem eigenen Stil experimentieren. Sie studierte an der Académie de la Chaumière, wo bereits Künstler wie Amedeo Modigliani, Alberto Giacometti, Siri Derkert und Bror Hjorth die Schulbank gedrückt hatten. Ihr Lehrer war der russisch-französische Bildhauer Ossip Zadkine, dem Lillemor zufolge viel daran lag, dass seine Schützlinge zu einem eigenen Stil und einer eigenen Originalität fanden. Neben dem Studium an der Akademie absolvierte Lillemor ein weiteres Praktikum in der Porzellanmanufaktur Sèvres.
1952 kehrte Lillemor nach Gävle (Gefle) zurück und erhielt Dank der Erfahrung, die sie Paris gesammelt hatte, eine stärkere Position in der Porzellanfabrik. Unter anderem nutzte sie in Frankreich entstandene Entwürfe als Vorlage für die Serie, die bei Gefle dann in Produktion ging.
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Die Serie M wurde bei Gefle von 1955-57 hergestellt und besteht aus einer Reihe von Gefäßen, Vasen, Krügen und Schalen in asymmetrischer Form. Gleichzeitig anthropomorph, knüpften sie zudem an die organische Moderne an und waren von der Natur sowie menschlichen und tierischen Formen inspiriert. Charakteristisch für Lillemor waren in diesem modernistischen Stil dünnwandige Waren mit oft monochromer Verzierung und das Fehlen von Reliefdekor.
Lillemor Mannerheim gehörte zu der Generation von Frauen, die es trotz vieler Widerstände schafften, sich in der männerdominierten Designwelt eine Karriere aufzubauen. Dass eine Frau tatsächlich dem Beruf des Töpfers oder gar Designers nachging, war zu jener Zeit noch immer ungewöhnlich. So erzählte Karin Björquist einmal, dass die entsprechenden Kurse an der Konstfack damals sogar „Verlobungskurse“ genannt wurde.
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In diesem Zusammenhang sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Lillemor, als sie nach Schweden ging, eigentlich vorgehabt hatte, Landwirtschaft zu studieren. Doch auf diesem Gebiet sah es für eine Frau sogar noch finsterer aus, sodass sie sich schließlich für ein künstlerisches Studium entschied.
Die Umstände ihrer Arbeit in der Keramikfabrik war oft schwierig und der ihrer männlichen Kollegen untergeordnet. Nach ihrer Ankunft in Gefle schrieb Lillemor in einem Brief an ihre Großmutter: „Ich freue mich über meine abwechslungsreiche Arbeit, es gibt viele, die mich beneiden würden. Die Arbeit ist, wird aber von den zitternden Nasen der Herren zensiert, die nur auf Geld aus sind, wenn ich wirklich gemein sein will.“

Was wirklich gemein war, war die Tatsache, dass die Entwürfe von Künstlerinnen, egal, ob Modelle oder Dekore, nicht selten ihren männlichen Kollegen zugeschrieben wurden. In Lillemor Mannheims Fall war es das Service Lillemor, das 1950 als Kreation ihres Atelierpartners Arthur Percy auf den Markt kam. Der Name lässt zwar auf Lillemors Beteiligung schließen, doch erst viel später erzählte sie in einem Interview mit Tord Gyllenhammar, dass es tatsächlich sie, die damals neue Mitarbeiterin bei Gefle, gewesen war, die das Dekor entworfen hatte.
Trotz der Schwierigkeiten konnten die Herren in den Chefetagen über eine Tatsache nicht hinwegsehen: Frauen und Hausfrauen stellten eine große Verbrauchergruppe dar, die die Arbeit von Künstlerinnen positiv betrachtete und die sich mit deren Entwürfen leichter erreichen ließ.
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Nachdem Lillemor 1957 Carl-Gustaf Klingspor geheiratet hatte, gab sie ihre Anstellung auf, um sich dem Familienleben und dem Gutshof Hellekis in Schweden, den das Paar von Carl-Gustaf Familie hatte übernehmen müssen, zu widmen. Jedoch gab sie ihren Beruf nicht ganz auf, sondern arbeitete zwischen 1959 und 1964 zeitweilig für Rörstrand, das näher an ihrem neuen Zuhause lag.

In den 1960er Jahren war Lillemor vor allem mit dem Haus und dessen Umgebung beschäftigt. In den beiden darauffolgenden Jahrzehnten fasste sie jedoch erneut in der Keramikindustrie Fuß und in der 1980er Jahren entwarf sie unter anderem die Tierfigurenserie De hotade („Die Gefährdeten“) für den World Wide Fund For Nature (WWF).
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Zu Lillemors Lebzeiten wurde ihr Werk von der Kritik oft übergangen, denn sie war nicht nur eine Frau, was sich darauf auswirken konnte, wie viel Aufmerksamkeit einem Künstler zuteil wurde, sondern gehörte zudem jener Generation der Keramiker an, denen eine individuelle Atelierproduktion erlaubt war, die einzigartige Objekte für Ausstellungen und Probemodelle ausführten. Ihr dekorativer und gewagte Stil war eher international als skandinavisch und unterschied sich daher von dem, was in Schweden als „gutes Design“ betrachtet wurde. Es existierte eine eher zurückhaltende Einstellung gegenüber Dingen, die als modisch oder fremdartig empfunden wurden. Dass der Name Lillemor Mannerheim nicht zu den bekannteren der Keramikszene gehört, hat also mehrere Gründe. Wessen Kreationen früh gute Kritiken erhalten und von Museen angekauft werden, hat in der Regel gute Karten, um als Künstler nicht in Vergessenheit zu geraten.

Der organische Modernismus ging oft mit einer ganzheitlichen Betrachtung des Lebens einher, in der alle Teile des Universums voneinander abhängig sind oder voneinander beeinflusst werden. Diese Philosophie ist für Lillemor, die sich bereits in ihrer Kindheit für Tiere, Landwirtschaft und das Leben im Freien interessierte, von zentraler Bedeutung. Später im Leben begann sie sich auch für spirituelle Themen und Wissenschaft zu interessieren und nach Verbindungen zwischen diesen zu suchen. Sie hatte einen unstillbaren Wissensdurst und studierte alles vom Zellsystem über Homöopathie, Anatomie und Physiologie bis hin zur tibetischen Medizin. Zudem kam sie mit einer Gruppe von Anthroposophen in Järna in Kontakt und fand deren Bemühungen, die Widersprüche zwischen Natur- und Humanwissenschaft zu überbrücken, äußerst spannend.

Das Herrenhaus Hellekis stammte aus dem 18. Jahrhundert und verfügte zum Großteil noch über seine ursprünglichen Einrichtung, als Lillemor und Carl-Gustaf einzogen. In den späten 1960er Jahren setzte Lillemor jedoch durch, Teile des großen Hauses zu renovieren und beauftragte damit einen der bekanntesten Architekten Finnlands: Aarno Ruusuvuori, der für seine brutalistischen Bauten mit sichtbarem Beton bekannt war. Das Ergebnis war ein starker, aber geschmackvoller Kontrast zum Altbau, der mit 60er-Jahre-Möbeln ausgestattet wurde. Im Laufe der Jahre trug Lillemor auch Schwedens größte Privatsammlung von Keramikarbeiten ihres Freundes Birger Kaipiainen zusammen, die ihre Wände schmückten.
Während der Zeit in Hellekis, als Lillemor die Kunst etwas zurückstellte, beschäftigte sie sich intensiv mit der Landwirtschaft, ihrem Garten und den Pferden, engagierte sich aber auch im Dorf, organisierte Reit- und Musikcamps und setzte sich mit Ernährung und Gesundheit auseinander.
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Im letzten Abschnitt ihres Lebens unternahm sie mehrere Reisen. Unter anderem ging es nach Kairo, wo sie den Naturschutzexperten Kai Curry-Lindahl besuchte, auf die Galapagos-Inseln, um die dortigen Tierarten zu studieren, sowie auf die Philippinen, nach Mexiko, Island, Kenia, Tansania und dreimal nach Tibet. Tibet interessierte sie seit ihrer Kindheit, als der Onkel ihres Vaters, Gustaf Mannerheim, von seinen Expeditionen in Asien erzählte. Während ihrer Reise nach Nepal und Indien traf sie zum ersten Mal den vierzehnten Dalai Lama.

Lillemor reiste auch mit dem Internationalen WWF in die Antarktis und entwarf anschließend die bereits erwähnte Tierfigurenserie De hotade („Die Gefährdeten“), die bei Arabia hergestellt und zugunsten der Organisation verkauft wurde. Die Figuren basierten auf all den Skizzen von Tieren, die sie auf all ihren Reisen gesehen hatte.
Lillemor Mannerheim starb 1994 an Eierstockkrebs. Schon seit längerem hatte sie Schwerzen im Unterleib verspürt, hatte sich aber im Einklang mit ihrer Philosophie und ihrem Glauben an die Alternativmedizin nicht von einem konventionellen Arzt untersuchen lassen. Erst bei einer Operation im Jahr 1993 wurde der Krebs entdeckt, doch sah Lillemor von einer Behandlung ab.
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