1787, dem dritten Jahr seiner Inhaftierung in der berühmt-berüchtigten Bastille, schrieb Donatien Alphonse François, Marquis de Sade (1740-1814) die erste Fassung seines Werkes Justine ou les Malheurs de la vertu („Justine oder vom Missgeschick der Tugend“). 1791 wurde der im Stil Voltaires verfasste Roman vom Pariser Verleger Girouard veröffentlicht. Später ergänzte de Sade sein Werk mehrere Male, sodass schließlich drei Fassungen vorlagen.
Das abscheulichste Buch, das die verdorbenste Phantasie hervorgebracht hat.
Die dritte Version, La nouvelle Justine („Die neue Justine“), sowie der Folgeroman um die Schwester der Protagonistin, L’Histoire de Juliette, ou les Prospérités du vice („Juliette oder die Vorteile des Lasters“), wurden zu pornografischen Underground-Werken, die sich als nützliche finanzielle Ressource erwiesen. Doch diese Phase währte nur kurz, denn nur ein Jahr nach ihrer Veröffentlichung wurden die Bücher beschlagnahmt.

Zusätzlich zu den Texten galten die Illustrationen als obszön, sodass der während der Französischen Revolution auf freien Fuß gesetzte de Sade 1801 erneut inhaftiert wurde. Napoleon war nämlich so gar kein Fan von de Sades von Gewaltfantasien geprägten erotischen Werken und bezeichnete Justine als „das abscheulichste Buch, das die verdorbenste Phantasie hervorgebracht hat“.
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Neben der erotischen Komponente beinhalteten de Sades Texte auch philosophische Passagen, in denen der Autor seinem Wunsch nach einem frei von moralischen, religiösen und gesetzlichen Grenzen geführten Leben Ausdruck verlieh. Dies richtete sich klar gegen die Autorität des Staates und vor allem gegen die der katholischen Kirche, weshalb Blasphemie ein zusätzlicher Grund für seine wiederholten Internierungen war, die er größtenteils in damals als Irrenanstalten bezeichneten Einrichtungen absaß.
Da er seine Fantasien aber nicht nur auf dem Papier auslebte, sondern auch im wahren Leben nicht gerade nur ein Durchschnitts-Libertin war, hatte dies 1777 zu seiner ersten Verhaftung geführt.
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Sehr konkret, was seine gesellschaftspolitischen Auffassungen betrifft, wird de Sade in La Philosophie dans le boudoir, ou Les Instituteurs immoraux („Die Philosophie im Boudoir oder Die lasterhaften Lehrmeister“) von 1795. De Sade befürwortet darin auf bissige Weise den Atheismus und das Streben nach Vergnügen um jeden Preis, ohne von Autoritäten verurteilt werden zu können.
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Von den 74 Jahren seines Lebens verbrachte der Marquis de Sade 27 Jahre in verschiedenen Gefängnissen, wo die meisten seiner Werke entstanden, deren Inhalt den nach ihrem Autor benannten Begriff „Sadismus“ prägten.

Der britische Schriftsteller und Zeitgenosse des Marquis de Sade, John Cleland (1709-1789), hatte in den ersten vier Jahrzehnten nur so wenig Geld in der Tasche, dass er sich 1748 dazu entschloss, den Roman Memoirs of a Woman of Pleasure („Fanny Hill“) zu verfassen, der die Aktivitäten einer Prostituierten in London beschreibt. Auch dieses Werk entstand hinter Gefängnismauern, genauer gesagt im Schuldnergefängnis von London.
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Gleich nach seiner Veröffentlichung wurde der Roman ein großer Erfolg, schon kurze Zeit später jedoch wegen der darin vorkommenden Unmoral zensiert. Cleland selbst wurde vor Gericht gestellt. Dort führte der Autor seine extreme Armut als Grund für das Verfassen des Romans an und wurde tatsächlich nicht verurteilt. Stattdessen wurde ihm eine jährliche Pension von 100 Pfund gewährt, wodurch es ihm möglich war, als Journalist und Dramatiker zu arbeiten, jedoch ohne jemals an den Erfolg von Fanny Hill anknüpfen zu können.

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Auch heute noch wird John Cleland beinahe ausschließlich mit Fanny Hill in Verbindung gebracht. Zu seiner Zeit stellte der Briefroman, der aus der Perspektive einer Prostituierten im England des 18. Jahrhunderts geschrieben wurde, ein echtes Novum dar.
Doch die Zeiten den Zensur nahmen für Fanny Hill auch lange nach Clelands Tod kein Ende, sodass der Roman zu einem der am stärksten unterdrückten literarischen Werke des 18. Jahrhunderts wurde. Sowohl in England, als auch in Deutschland und den USA dauerte es bis in die 1960er Jahre, bis Fanny Hills Abenteuer nicht länger als Pornografie eingestuft wurden und frei verkäuflich waren.
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