Die Handwerkskunst der Keramikherstellung ist eine der ältesten überhaupt, war es den Menschen doch schon früh ein Bedürfnis, Speisen und Getränke sicher aufzubewahren. Ein so bedeutender Wirtschaftszweig war natürlich einem ständigen Wandel unterzogen und wurde im Laufe der Jahrtausende immer weiter verfeinert und modernisiert.
Wie bedeutsam die Herstellung von Keramik in der Vergangenheit war, lässt sich auch daran erkennen, dass Großmächte wie die Römer, Perser und Chinesen sich allesamt Spezialisten auf dem Gebiet leisten konnten und wollten, die die jeweils spezifische Keramikkunst kreierten und in Vollendung beherrschten.
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Auch oder gerade in der Neuzeit haben sich vielerorts Zentren der Keramikherstellung herausgebildet. In vorderster Reihe mit dabei ist Stoke-on-Trent in Staffordshire, einer Grafschaft im Westen des Vereinigten Königreiches. Der Ort Stoke-on-Trent war allerdings im Jahr 1910 entstanden, als sechs Töpferei-Gemeinden zusammengelegt wurden.
Das nördliche Staffordshire wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts zu einem Zentrum der Keramikherstellung, da die dortige Umgebung alles bietet, was für die Töpferindustrie erforderlich ist: den richtigen Ton und in großer Menge Kohle, um die Öfen und Produktionsanlagen zu befeuern, sowie lokale Vorkommen von Salz und Blei. Familien, die in dieser Region dem Töpferhandwerk nachgingen, konnten von ihren kleinen, hauseigenen Betrieben gut leben. Auf Investoren von außerhalb war man nicht angewiesen. Die Betriebe waren stolz auf ihre Unabhängigkeit und halfen sich zur Not gegenseitig.
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Das Wissen und die Fertigkeiten wurden von Generation zu Generation weitervererbt, die Qualität der Waren blieb vom 17. bis zum 19. Jahrhundert konstant, nur die Kunstfertigkeit in der Ausformung wurde nach und nach verbessert.
Der Wettbewerb zwischen den Töpfereien von Staffordshire wurde stärker, als sich das Interesse an britischer Keramik auch auf dem europäischen Festland auszubreiten begann. Immer stärker ging es darum, die Konkurrenz in Qualität und Präsentation zu übertrumpfen. Geheime Rezepte von Tonmischungen und Glasuren wurden vor „Außenstehenden“ geschützt und die Töpfereien achteten sehr darauf, wem sie die „Schätze“ der eigenen Familie anvertrauten.

Eine der ortsansässigen Töpferfamilien hieß Wedgwood. Nachdem Töpfermeister Thomas Wedgwood gestorben war, übernahm sein gleichermaßen ehrgeiziger wie auch neugieriger Sohn Josiah (1730-1795) den Betrieb. Josiah Wedgwood experimentierte ständig mit dem von ihm erlernten Handwerk und hatte großes Interesse an Technologie, Wissenschaft und Kunst. Seine Experimente führten zur Erfindung des Pyrometers, ein Instrument zur Messung hoher Temperaturen, das vor allem in den Brennöfen zum Einsatz kam.
Josiah Wedgwood pflegte Kontakt zu den richtigen Leuten und modernisierte seinen Betrieb. Nachdem er der englischen Königin Charlotte ein verbessertes Creamware-Service überreicht hatte, erhielt er die Erlaubnis, das Modell als Queen's Ware und sich selbst Queen's Potter zu bezeichnen. Auf dieses Ereignis folgten zahlreiche Aufträge aus den Adelshäusern Englands und Kontinentaleuropas. Besonders zu nennen ist jener, der 1774 aus dem fernen Russland kam: Zarin Katharina II. bestellte insgesamt 952 Teile.
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Besonders bekannt ist Wedgwood für seine Jasperware: Stücke mit monochromem (meist blauem) Corpus, verziert mit weißen Flachreliefs, die von Szenen aus der griechischen und römischen Mythologie inspiriert sind. Mit dem damals fortschreitenden Wechsel vom Rokoko zum Klassizismus wurde die Jasperware schnell populär. Aber auch heute erzielen diese Stücke des späten 18. Jahrhunderts aus einer der wichtigsten Staffordshire-Manufakturen bei Auktionen hohe Preise.
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Eine noch direkter antike Vorbilder imitierende Vasen-Serie entstand 1769 anlässlich der Eröffnung der neuen Wedgwood-Fabrik in Etruria, Staffordshire. Die sechs First Day’s Vases imitierten sehr genau antike rotfigurige Vasen aus Etrurien. Josiah Wedgwood entwarf diese Vasen gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Thomas Bentley, der für seinen raffinierten Geschmack und sein Wissen über die klassische Kunst bekannt war. Die hier abgebildete First Day's Vase (siehe unten) war über Generationen hinweg im Besitz der Wedgwood-Familie, bevor sie 2016 bei Christie's für 482.500 GBP (ca. 580.000 Euro) versteigert wurde, ein Preis, der 302% über dem vorab der Auktion bestimmten Schätzpreis lag.
Neben den raffinierten und exquisiten Stücken von der Josiah Wedgwood ist Staffordshire auch berühmt für seine bezaubernden Figuren, die im Laufe der Zeit zu den meist reproduzierten Keramiken der Welt wurden. Dadurch wurde es natürlich schwieriger, die echten alten Stücke zu identifizieren.

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Die Staffordshire-Figuren entführen uns häufig ins viktorianische England, stellen Könige, Politiker und andere berühmte Persönlichkeiten dar. Ein weiterer Favorit sind Tiere, von exotischen Papageien und Zebras bis hin zu heimischen Hühnern, Schafen, Katzen und Hunden. Vor allem die paarweise auftretenden Staffordshire Dogs haben es zu unglaublicher Popularität geschafft. Obwohl verschiedene Rassen als Vorlage dienten, gelten die Spaniel mit ihrem tragikomischen Gesichtsausdruck als die beliebtesten. Vor allem im viktorianischen England durften diese Hunde auf keinem Kaminsims fehlen.
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Über die Staffordshire Dogs weiß Cecilia Nordström, Spezialistin für asiatische und europäische Keramik und Glas im Stockholmer Auktionshaus Bukowskis, zu berichten: "Staffordshire Dogs aus der frühesten Produktion im 18. Jahrhundert sind sehr selten, vor allem was Darstellungen ungewöhnlicher Hunderassen betrifft. Die sind am wertvollsten und begehrtesten. Es sind Sammlerstücke, die man vermutliche nicht häufig auf dem Auktionsmarkt antreffen wird. Der Geschmack von Sammlern ändert sich eben von Generation zu Generation."
Dennoch sind die putzigen Staffordshire Dogs heute auf dem ganzen Globus anzutreffen. Über ihre Erfahrungen mit Kunden, die solche Hundefiguren geerbt haben, sagt Nordström: "Einige dieser Kunden erzählten mir, dass ihre Väter oder Großväter zur See gefahren seien und die Figuren in englischen Häfen gekauft und als Geschenke und Souvenirs mit nach Hause gebracht hätten."

Das Epizentrum der Beliebtheit der Staffordshire Dogs ist natürlich deren Heimat England, wo das Auktionshaus Christie's mit seinem weiten Erfahrungsschatz bestätigen kann, dass für die echten, antiken Hündchen beträchtliche Summen gezahlt werden.
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Um sicherzugehen, dass man es mit einem antiken Original zu tun hat, muss man einiges beachten. Schauen sie sich das Stück von allen Seiten an. Etwa münzgroße Löcher am Boden, durch die während des Brennvorgangs Gas austreten konnte, sprechen eher für jüngere, weniger wertvolle Exemplare. Bei den älteren ist ein solches Feuerloch gar nicht vorhanden oder nur sehr klein. Allgemein ist der Boden und der untere Abschluss einer alten Figur nicht perfekt. Oftmals sind Farbtropfen ungehindert bis an den Boden hinabgeflossen.
Die gesamte Figur sollte mit kleinen, dünnen Pinselstrichen von Hand bemalt worden sein. Große, breite Striche weisen auf eine jüngere, industrielle Fertigung hin. Auch spiegelartige Reflexionen im Dekor weisen auf antike Originale hin, ebenso wie die Tatsache, dass in der frühen Produktion ein Paar niemals identisch war - sehr ähnlich, aber niemals völlig gleich.
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