Im August dieses Jahres konnte das kanadische Bergbauunternehmen Lucara Diamond verkünden, in der Karowe-Mine in Botswana auf einen Rohdiamanten von sagenhaften 2.492 Karat gestoßen zu sein. Obwohl das schon sehr beeindruckend ist, handelt es sich dabei jedoch nicht um den größten (bekannten) Diamanten der Geschichte. Die Geschichte der Diamanten reicht erdgeschichtlich sehr weit zurück (der älteste datierte Diamant ist ein wahrer Methusalem von 4,25 Milliarden Jahren), doch nahm sie erst so richtig an Fahrt auf, als der Mensch sein begehrliches Auge auf sie richtete.
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Im Folgenden möchten wir Ihnen nun zehn historische Diamanten näher vorstellen:
1. Cullinan
Der bislang größte Diamant wurde 1905 in der Premier Mine in Cullinan im heutigen Südafrika entdeckt. Stolze 3106,75 Karat brachte er auf die Edelsteinwaage, was 621,35 Gramm auf einer gewöhnlichen Waage entspricht. Seinen Namen erhielt er nach dem Besitzer des Bergwerks, Thomas Cullinan. Südafrika war damals eine britische Kolonie und 1907 entschied die dortige Regierung, den Diamanten zu kaufen, um ihn König Edward VII. zu schenken. In England wurde der Cullinan dann in 105 Steine aufgespalten, wobei die neun größten Teil des britischen Kronschatzes wurden und daher heute im Tower of London aufbewahrt werden. Der größte der Steine, Cullinan I oder Great Star of Africa, ist der bekannteste. Er wiegt 530,2 Karat, wurde tropfenförmig geschliffen und anschließend ins Zepter Edwards VII. eingearbeitet, doch kann er auch herausgenommen und als Anhänger getragen werden.

2. Großmogul
Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Diese Weisheit war wohl auch dem Emir Jemla bekannt, als er dem Mogulherrscher Shah Jahan ein Geschenk überreichte, das allerdings gar nicht so klein war. Der hellblaue Rohdiamant, der um 1650 in der Kollur-Mine nahe Golkonda im Südosten des indischen Subkontinents gefunden wurde, wog nämlich beachtliche 787,5 Karat, vielleicht auch etwas mehr. Der Großmogul, der auch Namenspate des Diamanten war, ließ den Stein von einem venezianischen Steinschneider schleifen, wobei der Diamant jede Menge Karat verlor. Schah Jahans Sohn zeigte die nunmehrige Diamantrose dem französischen Orientreisenden Jean-Baptiste Tavernier, von dem auch die einzige westliche Beschreibung des Großmoguls stammt, was vor allem daran liegt, dass der Stein seit 1739 verschwunden ist. In jenem Jahr wurde Delhi, die Hauptstadt des Mogulreichs, vom persischen Herrscher Nader Schah erobert und geplündert. Zu dessen Kriegsbeute gehörten neben dem berühmten Pfauenthron auch zahlreiche wertvolle Diamanten, von denen einer der Großmogul gewesen sein könnte, von dem bis heute allerdings jede Spur fehlt. Wobei…
3. Orlow-Diamant
… manche vermuten, dass es sich bei einem der Schätze, die im Moskauer Kreml aufbewahrt werden, um den Großmogul handelt. Gemeint ist der berühmte Orlow-Diamant, der 189,62 Karat wiegt und einen ganz ähnlichen Schliff wie der Großmogul aufweist. Über die Herkunft des bläulich-grünlichen Steins existiert allerdings noch eine weitere (ergänzende?) Legende, nach der er um 1750 von einem französischen Söldner aus einem Tempel gestohlen und an einen britischen Händler verkauft worden sein soll. Gesichert ist jedenfalls, dass der Diamant in Antwerpen dem russischen Fürsten Grigori Orlow ins Auge fiel, der damit die Gunst seiner Kaiserin, Katharina II., zurückerlangen wollte. Der Plan scheiterte, den Diamanten behielt Katharina trotzdem und ließ ihn in ihr Zepter einarbeiten. Der Diebstahl aus dem Tempel soll nicht ohne Folgen geblieben sein, denn angeblich wurde der Diamant mit einem Fluch belegt, der jedem zukünftigen Besitzer Unglück bringen soll. Jedes Attentat auf einen Zaren und nicht zuletzt der Sturz der Romanows wurden daher mit dem Orlow-Diamanten in Verbindung gebracht.
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4. Koh-i-Noor
Zur Kriegsbeute Nader Schahs gehörte 1739 auch einer der berühmtesten und legendärsten Diamanten der Geschichte, der Koh-i-Noor, was auf Persisch „Berg des Lichts“ bedeutet – kein schlechter Name für einen imposanten Diamanten von 186 Karat. Die Geschichte des Koh-i-Noor reicht weit zurück, die erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1304, was jedoch nicht zu 100 Prozent gesichert ist. Der Koh-i-Noor war schon immer begehrt, vor und nach Nader Schah wechselte er mehrfach den Besitzer. Zuletzt war es die British East India Company, die ihn bei der Annexion des Punjab in einer der Schatzkammern des Maharadschas vorfand und ihn 1850 Queen Victoria zum Geschenk machte. In Großbritannien zeigte man sich von dem asymmetrischen Koh-i-Noor wenig begeistert, sodass er neu geschliffen wurde und dabei von den ursprünglichen 186 Karat auf die heutigen 108,93 Karat zusammenschrumpfte. Victoria trug den Diamanten als Brosche, nach ihrem Tod wurde er als Teil des Kronschatzes in die Kronen der Königinnen Alexandra (1902), Mary (1911) und schließlich Elizabeth „Queen Mum“ (1937) gefasst. 2023 wurde Camilla mit der letztgenannten Krone gekrönt. Auf den politisch aufgeladenen Koh-i-Noor, dessen Eigentumsrechte immer wieder heiß diskutiert werden, verzichtete sie jedoch.
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5. Florentiner
Viele Fragen kreisen auch rund um den zartgelben Florentiner, vor allem jene, wo er seit den frühen 1920er Jahren verblieben ist. Doch auch seine frühe Geschichte ist von Mysterien umgeben, denn es gibt gleich drei Versionen. Die wahrscheinlichste ist jene, wonach er einst Herzog Karl dem Kühnen von Burgund gehörte, der ihn bei sich hatte, als er 1477 in der Schlacht von Nancy fiel und dessen Leichnam im Anschluss geplündert wurde. Über Umwege kam der Diamant nach Italien, wo er erst dem Herzog von Mailand, dann Papst Julius II. und schließlich den Medici in Florenz gehörte, wodurch er seinen Namen erhielt. 1737 folgte Franz Stephan von Lothringen, der Mann Maria Theresias und spätere römisch-deutsche Kaiser, den Medici als Großherzog der Toskana, wodurch der Florentiner in den Besitz der Habsburger kam. Die ließen ihn zu einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt in eine Hutagraffe fassen und später in der Wiener Hofburg öffentlich ausstellen. Allerdings blieb er Teil des Familienschmucks, sodass er 1918, kurz bevor die Republik Österreich ausgerufen wurde, vom letzten Kaiser, Karl I., in die Schweiz gebracht werden konnte. Die Familie vertraute die ihnen verbliebenen Wertsachen, darunter den Florentiner, einem Finanzberater an, der sich letztendlich damit aus dem Staub machte – Verbleib unbekannt. Bei zwei Gelegenheiten wurden jedoch gelbe Diamanten angeboten, bei denen es sich möglicherweise um den umgeschliffenen Florentiner gehandelt haben könnte: 1923 auf dem amerikanischen Markt sowie 1981 bei einer Auktion von Christie’s in Genf.
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6. Regent
Der überaus klare, leicht bläulich schimmernde Regent ist eng mit dem französischen Königshaus verbunden. Gefunden wurde er 1698 angeblich von einem Sklaven in den berühmten Golkonda-Minen. Der Mann, der sich mit dem 426 Karat schweren Rohdiamanten die Freiheit erkaufen und aus Indien fliehen wollte, wurde jedoch betrogen und ermordet. Erworben wurde der Stein schließlich vom Gouverneur von Madras (heute Chennai), Thomas Pitt, der ihn mit nach England nahm und ihn dort zu dem 140,64 Karat schweren Diamanten im Kissenschliff umarbeiten ließ, wie man ihn heute kennt. 1717 kaufte der damalige Regent Frankreichs, Philippe II. von Orléans, Pitt den Diamanten ab, der daraufhin seinen Namen erhielt. 1722 zierte Le Régent die Krönungskrone Ludwigs XV., 1775 jene von dessen Enkel und Nachfolger Ludwig XVI., anschließend trug ihn Marie Antoinette gerne als Haarschmuck. Nachdem er in den Wirren der Französischen Revolution kurzzeitig abhanden gekommen war, ließ Napoleon den Regent in sein Paradeschwert einarbeiten. Anschließend wurde der Diamant wieder in Krönungskronen eingefasst, nämlich jene von Ludwig XVIII., Karl X. und Napoleon III. Die letzte Trägerin war Kaiserin Eugénie, die ein Diadem damit verzieren ließ. Heute wird der Regent in der Galerie d’Apollon im Louvre ausgestellt.
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7. Sancy
In direkter Nachbarschaft zum Regent befindet sich ein weiterer berühmter Diamant des französischen Kronschatzes, der leicht gelbliche und 55,23 Karat schwere Sancy. Wie den Florentiner soll Karl der Kühne auch diesen Diamanten bei sich getragen haben, als er in der Schlacht von Nancy fiel. Der erste gesicherte Besitzer war jedoch rund 100 Jahre später der wohlhabende Nicolas Harlay, Sieur de Sancy, der die französische Krone als Botschafter in Konstantinopel vertrat. Sancy verkaufte den nach ihm benannten Stein nach England, 1657 holte Premierminister Kardinal Mazarin den Sancy nach Frankreich zurück, wo er 1661 Teil der Kornjuwelen wurde. Während der Französischen Revolution kurzzeitig verschwunden, sah sich das Direktorium, die Regierung Frankreichs zwischen 1795 und 1799, gezwungen, den Sancy zu verpfänden. Zu einer Auslösung kam es nie und im Verlauf des 19. Jahrhunderts hatte der Sancy verschiedene Besitzer, darunter die russische Großindustriellenfamilie Demidow. 1892 wurde der Diamant von dem amerikanisch-britischen Politiker William Waldorf Astor, 1. Viscount Astor erworben, dessen Urenkel ihn 1976 dem Louvre verkaufte, wo der Sancy bis heute ausgestellt wird.
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8. Hope-Diamant
Der berühmteste unter den berühmten Diamanten ist zweifelsohne der tiefblaue Hope-Diamant, der mit einem furchtbaren Fluch belegt sein soll, der jeden seiner Besitzer ins Unglück zu stürzen vermag. Ausgangspunkt für den Fluch soll sein Diebstahl aus einem Hindu-Tempel gewesen sein – eine Geschichte, wie sie auch über den Orlow-Diamanten erzählt wird. Als erster greifbarer Besitzer des tatsächlich aus der Kollur-Mine geborgenen Rohdiamanten von 112 Karat tritt abermals Jean-Baptiste Tavernier in Erscheinung, der ihn 1666 nach Frankreich brachte, schleifen ließ und Le bleu de France taufte, bevor er ihn an Ludwig XIV. verkaufte, der ihn von seinem Hofjuwelier zu einem facettenreichen Stein von 67,125 Karat schleifen ließ und fortan bei wichtigen Anlässen trug.
Wie es mit dem Diamanten weiterging und ob er wirklich verflucht ist, können Sie hier nachlesen
9. Dresdner Grüner Diamant
Seit 300 Jahren ist die kurfürstlich-königliche Sammlung im Dresdener Grünen Gewölbe öffentlich zugänglich. Und beinahe genauso lange, nämlich seit 1742, ist der absolut außergewöhnliche Dresdner Grüne Diamant Teil dieser Sammlung. Dabei handelt es sich um den größten natürlich grünen Diamanten, der jemals gefunden wurde und der seine Tönung dem unterirdischen Kontakt mit Radioaktivität verdankt – er ist also irgendwie der Hulk unter den Diamanten. Vermutlich ebenfalls in Indien entdeckt, gelangte der ursprünglich 119,5 Karat schwere Rohdiamant 1722 nach London, wo er zu dem pendeloqueförmigen Schmuckstein von 41 Karat geschliffen wurde, als den wir ihn heute kennen. 1742 kaufte August III., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, ihn einem niederländischen Händler auf der Ostermesse in Leipzig ab und ließ ihn in einen prachtvollen Schmuckorden vom Goldenen Vlies einarbeiten, der 1768 von Augusts Enkel Friedrich August III. in eine Hutagraffe umgearbeitet wurde. Vom 25. November 2019 bis 1. März 2020 befand sich der Dresdner Grüne Diamant als Leihgabe im Metropolitan Museum of Art in New York – zum Glück, denn dadurch konnte er den Dieben, die in den frühen Morgenstunden des 25. November in das Grüne Gewölbe eindrangen und zahlreiche Preziosen stahlen, nicht in die Hände fallen.
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10. Blauer Wittelsbacher
Auch der letzte Diamant dieser Liste, der Blaue Wittelsbacher, soll seinen Ursprung in der indischen Kollur-Mine haben. Jeweils als Mitgift kam er über die Habsburger in Spanien und Österreich nach Bayern und damit an das dortige Herrschergeschlecht Wittelsbach. Auch der Blaue Wittelsbacher wurde in einen Prunkorden vom Goldenen Vlies eingearbeitet, 1806 jedoch daraus entnommen, um die Spitze der neuen bayerischen Königskrone zu zieren. Nachdem die Wittelsbacher 1918 hatten abdanken müssen, wurde der blaue Diamant dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds zugesprochen, 1951 jedoch verkauft. Über mehrere Stationen kam er 2008 in den Besitz des Londoner Juweliers Laurence Graff, der ihn bei einer Auktion von Christie’s für 16,4 Millionen GBP (18,4 Millionen Euro) – die bis dahin höchste Summe für einen Diamanten auf dem Auktionsmarkt – ersteigerte. Zwei Jahre später gab es einen allgemeinen Aufschrei, als bekannt wurde, dass Graff den historischen Stein von 35,56 Karat hatte umschleifen lassen, sodass er nun nur noch 31,06 Karat wiegt. Kurz darauf soll Graff den nun auch als The Wittelsbach-Graff Diamond bekannten Stein für eine unbekannte, aber zweifellos hohe Summe weiterverkauft haben.










