In den meisten Fällen möchten die Käufer besonders teuerer Kunstwerke anonym bleiben. Doch passiert es immer wieder, dass entsprechende Informationen durchsickern. Wir haben uns unter den Kunstwerken, die in den letzten 30 Jahren für Rekordsummen den Besitzer wechselten, einmal umgeschaut.
Vincent van Gogh, Porträt des Dr. Gachet (1890)

Im Musée d’Orsay in Paris kann ein Porträt bewundert werden, das Vincent van Gogh 1890 vom Arzt Dr. Paul-Ferdinand Gachet angefertigt hatte, als ihn dieser in seinen letzten Lebenswochen betreute, den Selbstmord des Malers jedoch nicht verhindern konnte. Van Gogh porträtierte Gachet jedoch nicht nur einmal. Es existieren zwei Versionen des Motivs. Während es sich bei der zweiten um jene im Musée d’Orsay handelt, kam die erste am 15. Mai 1990 bei Christie’s in New York zum Aufruf, wo sie 82,5 Millionen US-Dollar erzielte. Käufer war der japanische Unternehmer und Kunstsammler Saitō Ryōei. Kurz nach dem Kauf sagte Saitō, dass er mit dem Gemälde begraben werden möchte. Soweit kam es aber nicht und das Gemälde wurde nach dem Tod Saitō Ryōeis im Jahr 1996 weiterverkauft. Weder der aktuelle Besitzer noch der Aufbewahrungsort sind bekannt.
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Pierre-Auguste Renoir, Bal du moulin de la Galette (1876)

Da Saitō Ryōei sein Portemonnaie im Mai 1990 nun schon einmal so weit geöffnet hatte, legte er zwei Tage nach dem Kauf des Van Gogh-Werks noch einen drauf und ersteigerte Renoirs Bal du moulin de la Galette von 1876 bei Sotheby’s für 78,1 Millionen US-Dollar. Dabei handelte es sich ebenfalls um eine weitere Version eines Gemäldes, das im Musée d’Orsay ausgestellt wird. Dieses Werk landete 1996 ebenfalls nicht in Saitō Ryōeis Grab, sondern wurde für 50 Millionen US-Dollar an einem anonymen Sammler verkauft.
Gustav Klimt, Adele Bloch-Bauer II (1912)

Knapp ein Jahr, nachdem Gustav Klimts Porträt Adele Bloch-Bauer II im Januar 2006 an Maria Altmann, die Erbin des einstigen Besitzers Ferdinand Bloch-Bauer, restituiert worden war, kam es bei Christie’s unter den Hammer. Der erzielte Preis betrug 87,9 Millionen US-Dollar – Auktionsrekord für Gustav Klimt (Adele Bloch-Bauer I war bereits im Juni 2006 bei einem von Christie’s durchgeführten Privatverkauf für 135 Millionen US-Dollar verkauft worden). Später stellte sich heraus, dass US-Talk-Queen Oprah Winfrey die Käuferin von Adele Bloch-Bauer II gewesen war. Winfrey verkaufte das Gemälde 2016 für 150 Millionen US-Dollar an einen namentlich unbekannten chinesischen Sammler weiter.
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Edvard Munch, Der Schrei (1895)

Am 2. Mai 2012 wurde die 1895 ausgeführte Pastellversion von Edvard Munchs ikonischem Werk Der Schrei zum teuersten Gemälde der Auktionsgeschichte, als es für 119,9 Millionen US-Dollar bei Sotheby’s in New York unter den Hammer kam. Einlieferer war der norwegische Unternehmer Petter Olsen, der das Bild als Teil der Kunstsammlung seiner Mutter geerbt hatte. Käufer war der amerikanische Unternehmer und Kunstsammler Leon Black, der den Aufsichtsräten des Metropolitan Museum of Art und des MoMA angehört.
Francis Bacon, Three Studies of Lucian Freud (1969)

Bereits im November 2013 wurde Der Schrei als teuerstes Kunstwerk der Auktionsgeschichte schon wieder abgelöst, und zwar durch das Triptychon Three Studies of Lucian Freud, das 1969 Francis Bacon ausgeführt worden war. Käuferin war die Unternehmerin, Kunstsammlerin und zweimalige Ex-Ehefrau von Steve Wynn, Elaine Wynn (das Paar war von 1963 bis 1989 und dann nochmal von 1991 bis 2010 verheiratet gewesen). Gemeinsam hatten die Wynns das Unternehmen Mirage Resorts gegründet und damit erheblich zur Entwicklung des Las Vegas Strips beigetragen.
Georgia O’Keeffe, Jimson Weed/White Flower No. 1 (1932)

Den Titel der teuerste Künstlerin der Auktionsgeschichte durfte ab dem 20. November 2014 Georgia O’Keefe für sich beanspruchen, nachdem ihr Gemälde Jimson Weed/White Flower No. 1 bei Sotheby's für 44,4 Millionen US-Dollar den Besitzer wechselte. Käufer war das Crystal Bridges Museum of American Art in Arkansas, wo O’Keeffes Bild nun Seite an Seite mit Werken von Künstlern wie John Singer Sargent, Norman Rockwell, Kerry James Marshall, Andy Warhol und Mark Rothko ausgestellt wird.
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Amedeo Modigliani, Nu couché (1917)

Seit seiner Versteigerung am 9. November 2015 bei Christie’s in New York gehört das 1917 von Amedeo Modigliani gemalte Werk Nu couché dem chinesischen Großindustriellen Liu Yiqian, der es in dem von ihm gegründeten Long Museum in der Millionenstadt Chongqing ausstellt. Obwohl Nu couché für atemberaubende 170,4 Millionen US-Dollar versteigert worden war, war es nicht das teuerste Kunstwerk des Auktionsjahres 2015. Dieser Titel ging an Les femmes d’Alger (Version „O“) von Pablo Picasso aus dem Jahr 1955, das mit den erzielten 179,4 Millionen US-Dollar zum bis dahin teuersten Gemälde der Auktionsgeschichte wurde. Der nicht verifizierte Käufer von Nu couché soll der ehemalige Premier- und Außenminister von Katar, Hamad ibn Dschasim ibn Dschabr Al Thani, gewesen sein.
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Jean-Michel Basquiat, Untitled (1982)

Das jüngste Gemälde der Auktionsgeschichte, das die 100-Millionen-Dollar-Marke knacken konnte, ist Jean-Michel Basquiats Untitled aus dem Jahr 1982, das am 18. Mai 2017 bei Sotheby’s in New York für 110,5 Millionen US-Dollar verkauft wurde, was den vorherigen Auktionsrekord Basquiats, der 2016 aufgestellt worden war, beinahe verdoppelte. In beiden Fällen war der milliardenschwere japanische E-Commerce-Unternehmer Yusaku Maezawa der Käufer, der sich jedoch nicht versteckte, sondern sich gleich zu seiner „Täterschaft“ bekannte. Untitled wurde zum teuersten Werk eines amerikanischen Künstlers auf dem Auktionsmarkt, musste diesen Thron jedoch verlassen, als Andy Warhols Shot Sage Blue Marilyn von 1964 im Mai 2022 für 195 Millionen US-Dollar an einen unbekannten Sammler verkauft wurde.
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Leonardo da Vinci, Salvator Mundi (um 1500)

Als bekannt wurde, dass Leonardo da Vincis Salvator Mundi im November 2017 bei Christie’s in New York versteigert werden würde, war das weltweite Interesse gigantisch. Als das Gemälde dann auch noch für 450,3 Millionen US-Dollar verkauft wurde, gab es kein Halten mehr. Jeder wollte wissen, wer diese gigantische Summe ausgegeben hatte. Zunächst hieß es, es solle im neu eröffneten Louvre Abu Dhabi ausgestellt werden, doch die Zeit verstrich und Salvator Mundi tauchte dort nicht auf. Auch wurden immer wieder Zweifel an der tatsächlichen Urheberschaft Leonardos laut. Schließlich wurde bekannt, dass der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman der Herr mit der weit geöffneten Geldbörse gewesen war, der Leonardos Werk angeblich auf seiner Luxusyacht Serene aufbewahrt.
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Claude Monet, Meules (1890)

Mit fast einer halben Milliarde US-Dollar kann das Rekordwerk von Claude Monet zwar nicht mithalten, aber so schlecht sind 110,7 Millionen US-Dollar dann auch wieder nicht. Dieser Preis wurde im Mai 2019 bei Sotheby’s in New York gezahlt und bedeutete nicht nur einen Künstlerrekord, sondern auch insgesamt einen Rekord für ein impressionistisches Gemälde. Käufer war der deutsche Software-Milliardär Hasso Plattner, der es dem im Januar 2017 von seiner Stiftung eröffneten Museum Barberini in Potsdam überließ. Das Museum beherbergt die dem Impressionismus und Postimpressionismus gewidmete Sammlung Plattners, die auch Werke von Künstlern wie Eugène Boudin, Gustave Caillebotte, Paul Signac, Paul Cézanne und Alfred Sisley umfasst.




