Nach Jahrhunderten der Objektivierung und des allgegenwärtigen männlichen Blicks entstehen immer mehr Kunstwerke aus weiblicher Perspektive. Dem objektivierenden männliche Blick, der Frauen in die Rolle des sexuellen Objekts drängt, wird hier die Sicht genommen. Entdecken Sie fünf revolutionäre Werke von Künstlerinnen, denen die weibliche Perspektive zugrunde liegt.
1. Faith Ringgold, Tar Beach II

In den 1960er und 1970er Jahren spielte Künstlerin und Autorin Faith Ringgold (*1930) eine bedeutende Rolle im Kampf gegen Museen, die an rassistischen Grundsätzen festhielten und Kunstwerke von Frauen ablehnten. Mit ihren Ölgemälden kritisierte sie den sogenannten "amerikanischen Traum" auf intersektionaler Ebene. Im Laufe der 70er Jahre wechselte Ringgold von der Ölmalerei zu auf Stoffen ausgeführte Arbeiten aus Acrylfarbe. Das Ergebnis waren ihre Quilts, auf denen die schwarze Heldin ein wiederkehrendes Motiv war. Das traditionell weibliche Handwerk hatte eine starke Verbindung zu Ringgolds Familiengeschichte und besonders zu ihrer Großmutter mütterlicherseits, die während der Sklaverei in den USA Quilts angefertigt hatte.

Tar Beach II ist Teil der Serie Women on a Bridge und erzählt die Geschichte der 8 Jahre alten Cassie Louise Lightfoot aus Ringgolds Kinderbuch Tar Beach, die gemeinsam mit ihrer Familie nahe der George Washington Bridge in New York City lebt. In der Geschichte träumt Cassie davon, fliegen und die Probleme der Welt lösen zu können. Cassie ist auf dem Quilt mehrfach dargestellt. so sehen wir sie beispielsweise am Himmel fliegen, wo Teile ihrer Geschichte geschrieben stehen. Der Flug des Mädchens symbolisiert das Potenzial für Freiheit und Unabhängigkeit. Starke Frauen, vor allem Afroamerikanerinnen, sind ein wiederkehrendes Thema in Ringgolds Œuvre, in dem sie politische und soziale Probleme anspricht. Über ihre Patchworks äußerste sich Faith Ringgold: "Meine Frauen fliegen, sie sind frei. Sie nehmen sich ihre Freiheit, indem sie das männliche Symbol – die Brücke – überwinden."
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2. Ana Mendieta, Untitled (Glass on Body Imprints)

Ana Mendieta (1948 – 1985) war eine Künstlerin, die die männliche Ansicht ganz besonders infrage stellte. Mit ihrer Kunst übernahm sie die Kontrolle über die Perspektive, indem sie ihren eigenen Körper porträtierte und politische Botschaften, wie Feminismus, Zugehörigkeit, Gewalt, Leben und Tod transportierte. Nachdem Mendieta 1961 von Kuba in die USA emigriert war, begann sie ihren Körper zu entdecken und mit den vier Elementen der Natur zu vergleichen. Sie nutzte die Natur als skulpturales Medium, in das sie ihren Körper einfügte und die Umrisse mit Steinen, Zweigen, Blumen und Blut ausfüllte. Das Ergebnis wurde schließlich dokumentiert und verewigt.
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3. Martha Rosler, Semiotics of the Kitchen
Auch Martha Rosler (*1943) kritisert die vorherrschenden Normen der Gesellschaft. In ihrem Video Semiotics of the Kitchen, rügte Rosler 1975 die traditionellen Geschlechterrollen, indem sie Küchenutensilien in alphabetischer Reihenfolge präsentierte. Sie nutzte die Semiotik (die Lehre der Symbole und wie sie wahrgenommen werden) um zu zeigen, dass Wörter nur Zeichen sind, die Menschen dazu benutzen, um ihre Umwelt zu beschreiben. Während sie die Utensilien von der Gabel bis zur Reibe präsentiert, zersetzen ihre Frustration und ihre Wut das Patriarchat.
Mit dem Video wollte Rosler das klassische Image der Hausfrau verändern: Hält sie das Messer, zeigt sie uns nicht, wie man es in der Küche verwendet, sondern sticht damit in die Luft, geradeso, als wolle sie den Betrachter zerhacken. Ihre alltägliche Sprache ist dazu bestimmt, die Rolle der Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft darzustellen und die Sprache wird daher zum Kunstwerk, wenn sie die Objektivierung von Frauen in Frage stellt. Themen wie Alltag, Fremdenfeindlichkeit und soziale Gerechtigkeit prägen Roslers Kunst seit den späten 1960er Jahren.
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4. Jenny Saville, Propped

So wie Ana Mendieta möchte auch Jenny Saville (*1970) den weiblichen Körper verzerren und verführen. Dies gelang ihr mit ihrem Selbstporträt Propped, das 2018 für 10,7 Millionen Euro versteigert wurde, war Saville zur teuersten lebenden Künstlerin der Auktionsgeschichte machte. In dem rohen und unbequemen Gemälde, stellte Saville sich selbst dar – auf eine Art und Weise, wie es in der Kunst nicht oft geschieht: Sie sitzt dem Betrachter auf einem schwarzen Phallussymbol nackt gegenüber – blickt ihn von oben herab an. Die Fingernägel sind in die Oberschenkel gegraben, die Brüste zusammengedrückt. Quer über das Gemälde hat Saville spiegelverkehrt Zitate der feministischen Autorin Lucie Irigaray geschrieben: "Wenn wir damit fortfahren, weiterhin auf die gleiche Weise zu sprechen, wie man es bereits seit Jahrhunderten tut, werden wir einander zum Scheitern bringen. Wieder werden Worte durch uns hindurch gehen, über unsere Köpfe hinweg und verschwinden, was uns verschwinden lässt."

Jenny Savilles Kunst hört nicht auf, Fragen aufzuwerfen, indem sie Frauen darstellt, die nicht den westlichen Schönheitsidealen entsprechen. Saville ist fasziniert vom echten Frauenkörper und erforscht ihn, indem sie körperliche Elemente überzeichnet darstellt, die von der Gesellschaft als hässlich bezeichnet werden. Damit zeigt sie, wie der weibliche Körper tatsächlich aussieht und sich bewegt.
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5. Shirin Neshat, Unveiling (Women of Allah)

Shirin Neshat wurde 1957 im iranischen Qazvin geboren, zu einer Zeit, als die Rechte der Frauen stetig erweitert wurden. Nachdem sie von 1975 bis 1991 in den USA gelebt hatte, kehrte sie in den Iran zurück und traf auf eine völlig andere Gesellschaft, als jene in ihrer Kindheit. Sie begann, die Veränderungen darzustellen, die seit der Islamischen Revolution von 1979 im Iran stattfanden. Zwischen 1993 und 1997 schuf sie die Serie Women of Allah, mit der sie die Identität von Frauen in einer sich verändernden Kulturlandschaft untersuchte. Die Serie besteht aus Schwarz-Weiß-Bildern, die aus vier Symbolen bestehen, die mit westlichen Darstellungen der muslimischen Welt verbunden sind: dem Schleier, der Waffe, der Schrift und dem Blick.

In Women of Allah dient der Schleier gleichermaßen als Symbol der Freiheit und der Unterdrückung. Eine der sichtbarsten Veränderungen im Iran ist die Forderung, dass Frauen an öffentlichen Worten einen Schleier zu tragen haben. Während viele muslimische Frauen glauben, dass diese Praxis ihre religiöse Identität stärkt, wurde der Schleier in westlichen Augen als Zeichen der Unterdrückung kodiert. Die Gestaltung der Bilder spielt aber auch die westlichen Fantasien über den Orient: In Gemälden des 18. und 19. Jahrhunderts wurden nicht-westliche Frauen oft nackt und von kräftigen Farben umgeben dargestellt. Auf Neshats Bildern begegnet der Blick der Frau dem des Betrachters und befreit sich so von der jahrhundertelangen Unterwerfung des westlich-männlichen Auges.
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