Fotograf Peter Beard, der einmal als "Half Tarzan, Half Byron" ("Halb Tarzan, halb [Lord] Byron") bezeichnet wurde, kam am 22. Januar 1938 als Sohn einer wohlhabenden New Yorker Familie zur Welt. Sowohl seine Mutter als auch sein Vater waren die Erben riesiger Vermögen, einer seiner Urgroßväter war James J. Hill, Gründer der Eisenbahngesellschaft Great Northern Railway. Das Familienerbe bestand jedoch nicht nur aus ausreichend finanziellen Mitteln, sondern auch aus der Liebe zur Kunst in Gestalt einer Sammlung mit Werken französischer Maler wie Henri Rousseau und Eugène Delacroix.
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Peter Beard wuchs in Alabama auf, wo er es genoss, draußen in der Natur zu sein, Dinge zu sammeln und aufzubewahren und sie in seinen Tagebüchern zu beschreiben. Sein Interesse an der Fotografie erwachte, als ihm seine Großmutter seine erste Kamera schenkte, eine Voightländer. Die Highschool-Jahre verbrachte er wieder im Nordosten der Vereinigten Staaten auf einem Internat, bevor er sich 1957 an der Yale University einschrieb.
Sein Hauptfach war Kunstgeschichte, zu seinen Lehrern gehörten Größen wie Josef Albers und Alex Katz. Nachdem er bereits als Teenager zusammen mit dem Urenkel von Charles Darwin Afrika bereist hatte, kehrte er nach seinem Studienabschluss 1961 dorthin, wo ihn die unberührten Landschaften und die exotische Tierwelt so sehr faszinierten, zurück. Eine weitere Quelle der Inspiration waren die berühmten Memoiren Out of Africa ("Jenseits von Afrika", 1937) der dänischen Schriftstellerin Karen Blixen, mit der ihn später eine Freundschaft verbinden sollte. Diese Begegnung sollte für Beards Arbeit in Kenia prägend sein.
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Auf seinen Reisen nach Kenia im Anschluss an sein Studium in Yale, fotografiere und dokumentierte Peter Beard die dortige Zerstörung des Lebensraums der Elefanten durch den Menschen im Tsavo East National Park in Kenia. Bald darauf erwarb er ein 45 Hektar großes Anwesen namens Hog Ranch, unter der Bedingung des kenianischen Präsidenten, dass er mit seinen Fotografien, Filmen und Schriften die Menschen und das Land unterstützen würde. Und das tat er bereits 1965 mit seinem ersten Buch The End of the Game. The Last Word from Paradise, in dem er die Situation in Ostafrika schilderte: Landraub, Überbevölkerung, verhungernde Wildtiere in Kenia und Uganda, Bürgerkriege und Krankheiten wie AIDS. Afrikas Paradoxe von Schönheit und Gefahr aufzuzeigen, sollte sein Lebenswerk werden. Seine brillanten Fotografien verwandelte Beard in Collagen mit Rahmen aus gekritzelten Notizen und Zeichnungen, zufälligen Fundstücken, getrockneten Blättern und Blutflecken.
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"Als ich im August 1955 zum ersten Mal nach Kenia kam, hätte ich nie erahnen können, was passieren würde", erzählte Beard einmal. "Es war authentisch, unberührt, voller Großwild - so riesig, dass es unerschöpflich schien. Alle waren sich einig, dass es zu groß war, um zerstört zu werden. Jetzt verbraucht Kenias Bevölkerung von über 30 Millionen die begrenzten und abnehmenden Ressourcen des Landes in erstaunlicher Geschwindigkeit: die davon umgebenen und isolierten letzten Wildtierbestände des denaturierten Afrikas werden unermüdlich unter Druck gesetzt."

In den 1960er Jahren arbeitete Peter Beard jedoch auch in New York. Er machte Aufnahmen für die Vogue, verkehrte mit vielen der revolutionären Künstlern jener Zeit und arbeite auch mit ihnen zusammen. Er besuchte Andy Warhol in dessen Factory, veranstaltete gemeinsam mit Salvador Dalí ein Happening vor dem Metropolitan Museum of Art, als die Mona Lisa 1963 dort "zu Besuch" kam, und saß Francis Bacon für ein Porträt Modell.
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Die fotografische Arbeit von Peter Beard war sehr vielseitig. 1972 begleitete er die Rolling Stones auf ihrer Tournee. Für eine gemeinsame Arbeit mit Schriftsteller Truman Capote porträtierte er die Insassen des Todestrakts des San Quentin State Prison und über seine Buchredakteurin Jackie Kennedy ergab sich für ihn die Gelegenheit, deren Tante und Cousine, Edith und Edie Beale, die einen exzentrischen Lebensstil in ihrem Haus Grey Gardens auf Long Island pflegten, fotografieren zu können. Beard selbst besaß ebenfalls ein Haus auf Long Island, die Thunderbolt Ranch in Montauk, wo er, im Wechsel mit der Hog Ranch in Kenia, die meiste Zeit verbrachte.

Seine größte (fotografische) Liebe blieb jedoch Afrika, wo er als lebenslanger Aktivist auf die Bedrohung der unberührten Weiten und gefährdeten Arten durch die menschliche Entwicklung aufmerksam machte. Natürlich schlug in Beards Brust auch das Herz eines Abenteurers, was in so mancher Situation auch nötig war, z. B. als er von einem Elefanten verletzt wurde, der seine Hütte zu Kleinholz verarbeitete, oder als er gezwungen war, Seite an eine mit Krokodilen zu schwimmen, was ihn beinahe, einem Gefährten jedoch tatsächlich, das Leben kostete.
Die schöne Zeit des Spielens ist zu Ende gegangen. Millionen von Jahren evolutionärer Prozesse wurden im Handumdrehen zerstört.
1975 wurde Peter Beard mit einer ersten Einzelausstellung seiner Tierfoto-Collagen in der Blum Helman Gallery geehrt, die er zwei Jahre später für die Ausstellung The End of the Game im International Center of Photography in New York erweiterte.

1981 heiratete Peter Beard, dessen erste Ehe mit einer Scheidung geendet hatte, das Supermodel Cheryl Tiegs, die ihn auch auf die Hog Ranch begleitete. Schon bald nach der Hochzeit begannen sich die Medien für das ungemein fotogene Paar und dessen Arbeit in Afrika zu interessieren: Peter und Cheryl wurden von Fotograf Slim Aarons in Szene gesetzt, zierten die Titelseiten von mehreren Magazinen und traten in einer mit einem Emmy ausgezeichneten ABC-Dokumentation über die Gefährdung der afrikanischen Wildtiere auf.
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Doch wie Beards erste, in den 1960er Jahren geschlossene Ehe, endete auch jene mit Cheryl Tiegs bereits nach drei Jahren. 1986 heirate er zum dritten und letzten Mal und zwei Jahre später kam seine Tochter Zara zur Welt. 2004 schrieb Peter Beard Zara's Tales, ein Band mit jenen Geschichten, die er seiner Tochter über seine Abenteuer in Afrika erzählt hatte, als diese noch ein kleines Mädchen gewesen war.

1996 fand im Centre National de la Photographie in Paris die erste große Retrospektive von Peter Beard statt, 2002 wurde das Peter Beard Studio eröffnet. Seitdem ist sein Werk in vielen Ausstellungen gezeigt und gewürdigt worden.
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Einst als "interessantester Mann der Welt" bezeichnet, war Peter Beards Tod ein Mysterium: Am 31. März 2020 verschwand der an Demenz erkrankte 82-jährige von der Thunderbolt Ranch in Montauk. Seine sterblichen Überreste wurden erst am 19. April in einem nahe gelegenen Waldstück gefunden.

War Peter Beards Gedächtnis am Ende seines bewegten Lebens auch zum Opfer des Vergessens geworden, so werden er, seine Fotografien und seine Bedeutung für die Erhaltung der majestätischen Landschaften und Tiere Ostafrikas unvergessen bleiben.




