Wenn man die Fotografien von Slim Aarons (1916-2006) betrachtet, fühlt es sich manchmal an, als würde man durch einen Instagram-Feed scrollen: Vintage-Bilder von wunderschönen Orten mit wunderschönen, reichen und berühmten Menschen, die ausschließliche "coole" Dinge tun. Oder, um es mit den Worten des Künstlers selbst zu beschreiben: "attraktive Menschen, die an attraktiven Orten attraktive Dinge tun".

Seine Karriere als Fotograf begann jedoch auf einem völlig anderen Gebiet, nämlich im Krieg. 1934, im Alter von 18 Jahren, trat er in die Armee ein und wurde Fotograf an der West Point Military Academy. Dort traf Aarons den Regisseur Frank Capra, der damals einen Film über Heldentaten im Krieg drehte und der ihn an das Magazin Yank vermittelte, das ihn nach Europa schickte.
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Mit seiner Leica-Kamera dokumentierte der junge Fotojournalist dramatische Szenen und Kämpfe, allen voran die Schlacht um Montecassino. Während seines Kriegseinsatzes traf Aarons die Life-Fotografen George Silk und Carl Mydans, die er seit er seiner Kindheit verehrte. Die drei erlebten den restlichen Verlauf der Kampagne gemeinsam. Nachdem sich Aarons während der Einnahme von Anzio eine Verwundung zugezogen hatte, wofür er das Purple Heart erhielt, gingen sie zusammen nach Rom, wo sie die Friedensverkündung erlebten und Aarons das Foto schoss, das im Juli 1945 das Cover des Yank-Magazins zierte: ein amerikanischer Soldat, der vor einer jubelnden Menschenmenge ein Kind in den Armen hält.
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Wenn man einmal ein Konzentrationslager gesehen hat, möchte man wirklich keine schlimmen Dinge mehr sehen.
Nach dem Krieg gründete Aarons ein Büro in Rom und begann für Life zu arbeiten. Als ihm das berühmte Magazin anbot, in Korea an die Front zurückzukehren, lehnte er ab und zog nach Los Angeles. Später sagte er: "Wenn man einmal ein Konzentrationslager gesehen hat, möchte man wirklich keine schlimmen Dinge mehr sehen". Der Krieg hatte ihn zu der Erkenntnis gebracht, dass "der einzige Strand, an dem es wert ist zu landen, [...] mit schönen, halbnackten Mädchen, die sich friedlich in der Sonne bräunen dekoriert" ist.

Danach änderte sich Slim Aarons' Leben. Er heiratete Rita Dewart, die er in der Redaktion von Life kennengelernt hatte, und begann eine Zusammenarbeit mit dem Magazin Holiday, das sich damals in einer revolutionären Phase der Veränderung befand, nachdem der neue künstlerische Leiter Frank Zachary einige der angesagtesten Fotografen der internationalen Szene angeheuert hatte: Henri Cartier-Bresson, Arnold Newman, Tom Hollyman, Fred Maroon, John Lewis Stage – und eben Aarons, der schon bald zu einem Stützpfeiler des Magazins wurde.
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Aarons wurde vom Kriegsfotografen zum Hochglanzfotografen des Hollywood-Jetsets und dokumentierte dessen mondänes Leben zwischen Palm Springs und Acapulco, Saint-Tropez und der Amalfi-Küste. Die Aufnahmen aus der Glitzerwelt sollten ihn schon bald zu einem der beliebtesten Fotografen aller Zeiten machen.

2002 sagte Aarons gegenüber The Independent: "Sie haben mich zu ihren Partys eingeladen, weil sie wussten, dass ich sie nicht verletzen würde. Ich war einer von ihnen". Das Besondere an Aarons war, dass er einen Teil der Gesellschaft in deren alltäglichen Normalität einfing, die aus Berühmtheiten, Reichtum und einem guten Leben bestand, ohne irgendeine Künstlichkeit. Aarons' Fotos "machten die modernen Reichen sexy", wofür diese ihn gerne in der High Society aufnahmen.
Sie haben mich zu ihren Partys eingeladen, weil sie wussten, dass ich sie nicht verletzen würde. Ich war einer von ihnen.

Zu Aarons' bekanntesten Aufnahmen gehört Kings of Hollywood: An Silvester 1957 im Crown Room des Restaurants Romanoff in Hollywood treffen Clark Gable, Van Helfin, Gary Cooper und James Stewart aufeinander. Aarons liebte die Welt des Kinos und die Welt des Kinos liebte ihn. Regisseurre hatten vor allem ein Interesse an seiner überdurchschnittlichen Körpergröße von 1,95 m. Aarons' eher unterentwickeltes schauspielerisches Talent bot jedoch häufig Anlass für Neckereien und Amüsement. Man könnte meinen, dass der Moment der Heiterkeit, den Aarons im Romanoff einfing, damit im Zusammenhang stand. Alfred Hitchcock war allerdings so fasziniert von Aarons, dass er sich von ihm für die Hauptfigur in Das Fenster zum Hof inspirieren ließ, einen Fotojournalist, der von Jimmy Stewart dargestellt wurde.
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Ich fotografiere keine Mode. Ich fotografiere Menschen in deren eigener Kleidung und die wird dann zur Mode.
In jenen Jahren veränderten Aarons' Fotos die Modewelt. Was er ablichtete, wurde automatisch zum Trend. 1968 porträtierte er Peter Pulitzer in Khakihosen und sofort sprangen Modemagazine begeistert auf diesen Zug auf. Aarons erklärte: "Ich fotografiere keine Mode. Ich fotografiere Menschen in deren eigener Kleidung und die wird dann zur Mode" – ein Zeugnis dafür, wie weit verbreitet und (vielleicht) ungewollt einflussreich seine Fotos im kollektiven Gedächtnis waren.
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1974 veröffentlichte Slim Aarons sein erstes Buch mit einer Reihe seiner Aufnahmen, A Wonderful Time: An Intimate Portrait of the Good Life, das heute auch als die "Lifestyle-Bibel" schlechthin betrachtet wird. Bei seiner Veröffentlichung hatte das Buch jedoch nicht den erwarteten Erfolg. Lediglich 20.000 Exemplare des 35 US-Dollar teuren Werks wurden verkauft. Auch eine unerfreuliche, die Bezeichnung "abstoßend" umfassende Rezension des Kritikers Christopher Lehmann-Haupt in der New York Times war wenig hilfreich.
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Aarons setzte seine Arbeit bei Frank Zachary, der mittlerweile Chefredakteur bei Town & Country geworden war, und dem Holiday-Magazin fort. 1990 setzen sich beide zur Ruhe, allerdings verkaufte Aarons seine Fotografien weiterhin an Zeitschriften auf der ganzen Welt. 1997 klopfte Mark Getty, der gerade das Fotoarchiv Getty Images gegründet hatte, an Aarons Tür und wollte dessen gesamte Aufnahmen kaufen. Aarons sagte ja. Später gab er an, diese Entscheidung aus dem Grund getroffen zu haben, weil das Unternehmen, das seine Arbeit jahrzehntelang archiviert hatte, nicht mehr existierte und er meinte, dass die Öffentlichkeit es sicherlich freuen würde, weiterhin Zugang zu seinen Bildern von Luxus und Reichtum zu haben.

Natürlich beeinflusst die breite Verfügbarkeit von Aarons' Bildern auch deren Ergebnisse auf dem Auktionsmarkt. Manchmal erreichen seine ikonischen Aufnahmen dort über 10.000 Euro, während andere weniger als 1.000 Euro einbringen. Die um 1970 entstandene Fotografie Poolside Gossip wurde 2014 im französischen Auktionshaus Artcurial für 15.600 Euro versteigert.
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Mit seinen Bildern erzählte Slim Aarons ein Stück Gesellschaftsgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er selbst betrachtete sich als "Fotojournalist" und "Geschichtenerzähler", wie seine Tochter Mary in einem Interview mit Vanity Fair angab. Vor allem aber "erzählte jedes Bild eine Geschichte", fügte sie hinzu. Heute sind Aarons' Bücher eine Hymne an den guten Geschmack (neben A Wonderful Time veröffentlichte er auch Once Upon A Time und A Place In The Sun) und es gibt kaum einen Designer, der nicht über eine Sammlung seiner berühmten Fotografien verfügt, die er immer wieder durchblättern kann.
Gerne wird Slim Aarons als Vorläufer der sozialen Medien betrachtet. Seine Hochglanzaufnahmen von "attraktiven Menschen, die an attraktiven Orten attraktive Dinge tun" haben die Gesetze der Fotografie und der Kommunikation neu geschrieben. Heute sind seine ikonischen Bilder aktueller und gefragter als jemals zuvor.




