Denkt man an Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606-1669) fallen einem zunächst vermutlich seine bekannten Gemälde ein, wie Die Nachtwache (1642) mit ihrer mysteriösen Lichtgestalt, Die Anatomie des Dr. Tulp (1632) oder die Selbstporträts des Meisters, die seine perfekte Beherrschung der Verwendung des Lichts verdeutlichen.
Rund 350 Gemälde Rembrandts sind heute bekannt und können ihm sicher zugeschrieben werden. Sie decken eine große Bandbreite an Sujets ab, darunter Historiengemälde mit mythologischen und christlich-religiösen Motiven, Landschaften und (Selbst-)Porträts. Nicht weniger abwechslungsreich gestaltet sich sein grafisches Werk mit etwa 300 Radierungen und 1000 Zeichnungen.
Lesen Sie auch: 6 Ikonen der niederländischen Malerei

Die Zeichnungen Rembrandts beinhalteten hauptsächlich Studien oder Vorzeichnungen und waren zu Lehrzwecken den Schülern in seiner Amsterdamer Werkstatt jederzeit zugänglich. Ebenso verhielt es sich mit Kupferplatten für seine Radierungen, die durch die wiederholte Reproduktion durch seine Schüler und Mitarbeiter dazu beitrugen, dass Rembrandt bereits zu Lebzeiten europaweit bekannt war und geschätzt wurde. Von den 300 bekannten Radierungen Rembrandts sind heute noch etwa 80 Kupferplatten erhalten.
Lesen Sie auch: Rembrandt: Der Meister mit Kraft und Seele

Nutzte Rembrandt die Radierung zunächst lediglich als Reproduktionsmöglichkeit seiner gemalten Werke, die so auch weniger gut betuchten Kunden zugänglich wurden, entwickelte er sie mit den Jahren zu einem eigenständigen Teil seines Œuvres.
Ende der 1650er Jahre musste Rembrandt seine bis dato geschaffenen Platten vor der Pfändung schützen, denn der Meister war bankrott. Damit die Kupferplatten, deren Verkauf einen unwiederbringlichen Verlust für Rembrandts Werkstatt bedeutet hätte, nicht auch gepfändet werden konnten, versteckte er sie bei Freunden.
Lesen Sie auch: Drucke: Eine andere Art, Kunst zu sammeln

Ein Großteil der Kupferplatten befanden sich nach Rembrandts Tod im Jahr 1669 im Besitz des Graveurs und Kunsthändlers Clement de Jonghe, der auch die erste Inventarisierung von ihnen vornahm. Zwischen 1679 und 1767 erwarb Pieter de Haan in Amsterdam die Platten, anschließend kamen sie teilweise nach Frankreich, wo der Rembrandt-Bewunderer Claude Henri Watelet sie in seine bereits bestehenden Sammlung einfügte. Die Platten wurden auch weiterhin verwendet, um die Radierungen Rembrandts zu reproduzieren.
Lesen Sie auch: Rembrandts „Nachtwache“ gibt eines ihrer Geheimnisse preis

Während des gesamten 19. Jahrhunderts verblieben die etwa 80 bekannten Kupferplatten im Besitz verschiedener Sammler in Frankreich, von denen einige ebenfalls Editionen von Rembrandts Arbeiten anfertigen ließen (Basan, Beaumont). Ende der 1930er Jahre wurden sie schließlich an einen Amerikaner verkauft und gelangten so in die Vereinigten Staaten. Dort wurde die Sammlung schließlich aufgelöst und 1993 an Museen und Kunsthändler in aller Welt verkauft.
Lesen Sie auch: Zwei große und ein kleiner Rekord bei Sotheby’s

Auch Rembrandts Radierungen bezeugen die außerordentliche Begabung des Künstlers. Wie bei den Gemälden wird auch bei den Grafiken Rembrandts Können im Spiel zwischen Licht und Schatten deutlich. Rembrandt erschuf einen ganz eigenen, mit der Zeit zunehmend realistischen Stil, der sich deutlich von dem seiner Zeitgenossen unterschied. Dies legt die Vermutung nahe, dass sich Rembrandt der Radierung auf autodidaktische Weise genähert hat.
Möchten Sie Artikel wie diesen direkt in Ihrem Posteingang entdecken? Dann melden Sie sich noch heute für unseren kostenlosen Newsletter an!

Auf dem heutigen Auktionsmarkt können Rembrandts Radierungen Preise im sechsstelligen Bereich erzielen. Am 8. Dezember 2023 wurde ein neuer Rekord für ein solches Werk des Meisters aufgestellt, als Die drei Bäume von 1643 bei Sotheby's in London für 441.000 GBP (511.119 Euro) verkauft wurde.




