Immer wieder kam es im Laufe der Geschichte vor, dass Fürst oder Fürstin nicht nur zum Zepter, sondern auch zum Pinsel griffen und ihrer kreativen Ader freien Lauf ließen – bis heute. Ein bekanntes aktuelles Beispiel ist Dänemarks ehemalige Königin Margrethe II., die nicht nur an der Leinwand, sondern in vielen künstlerischen Bereichen tätig ist. So tritt sie immer wieder als Kostüm- und Bühnenbildnerin in Erscheinung und wurde 2023 für ihre Mitarbeit an dem Film Ehrengard: Die Geschichte einer Verführung von der Dänischen Film Akademie mit dem Robertprisen for årets kostumier ausgezeichnet.
Doch auch für König Charles III. ist die Kunst kein unbekanntes Betätigungsfeld. So unglücklich er auch im Internat Gordenstoun allgemein gewesen war, entdeckte er dort seine Liebe zum Malen. Seit den 1970er Jahren fertigt er ausschließlich Aquarelle an, die besonders häufig schottische Schlösser und Landschaften zeigen. Bis zu 2 Millionen GBP soll er mit seinen Werken bereits eingenommen haben, wobei das Geld wohltätigen Zwecken zugute kam.
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Die nicht verkauften Werke Charles’ III. werden in der Royal Collection aufbewahrt, die insgesamt 7.500 Arbeiten royaler Künstlerinnen und Künstler aus mehreren Jahrhunderten beherbergt. Die ältesten Werke stammen von Prinz Ruprecht von der Pfalz (1619-1682), Sohn des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz, der wegen seines kurzen Aufenthalts auf dem böhmischen Thron als „Winterkönig“ in die Geschichte einging. Der Bruder von Ruprechts Mutter Elizabeth Stuart war König Karl I. von England, der sich nach dem gescheiterten Traum vom Königtum seines Schwagers um Ruprechts weitere Ausbildung kümmerte. In England stieg Ruprecht bis zum Admiral der Royal Navy auf und erhielt den Titel eines Herzogs von Cumberland. Nebenbei war Ruprecht auch ein emsiger Forscher und begabter Künstler, der das Tiefdruckverfahren des Mezzotinto in England bekannt machte. Vier seiner eigenhändigen Arbeiten sind Teil der Royal Collection.
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Ruprecht war jedoch nicht der einzige begabte Künstler in seiner Familie. Seine Schwester Luise Hollandine (1622-1709), die Äbtissin des Klosters Maubuisson wurde, war eine begabte Porträtmalerin. Ausgebildet von Gerrit van Honthorst, porträtierte sie meist ihr nahestehende Personen und auch sich selbst.
Im 18. Jahrhundert, in dem der Pädagogik bei der Erziehung von (Fürsten-)Kindern erstmals ein höherer Stellenwert eingeräumt wurde, galt die Beschäftigung mit einer künstlerischen Tätigkeit als sinnvolles Mittel, um sich auf das spätere Leben und die jeweilige Rolle darin vorzubereiten. Diesen Grundsatz folgte auch Kaiserin Maria Theresia bei ihrer umfangreichen Kinderschar, deren Erziehung sie vollständig überwachte. Jedes ihrer Kinder war dazu angehalten, sich neben dem Unterricht auch einer künstlichen Beschäftigung zuzuwenden. Dies galt vor allem für die jungen Erzherzoginnen. Diese mussten damit rechnen, in noch relativ jungen Jahren an einen fremden Königshof verheiratet zu werden, wobei von ihnen erwartet wurde, sich mit ihrem Schicksal abzufinden und möglichst stillschweigend das Beste daraus zu machen. Neben der omnipräsenten Religion galt die Ausübung einer Kunstform als geeignetes Mittel, um Demut und Durchhaltevermögen zu lernen.
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Unter allen Töchtern Maria Theresias besaß Erzherzogin Maria Christina (1742-1798) das größte künstlerische Talent. Sie zeichnete mit Feder, Bleistift und Kreide und führte Aquarelle und Gouachen aus. Dies tat sie nach Vorlagen von Künstlern wie David Teniers d. J., Jacob Jordaens und François Boucher, denn als Steigerung der Kreativität war der Kunstunterricht eher nicht gedacht. Ein größeres Projekt war der Don Quijote-Zyklus nach Charles-Antoine Coypel, der 25 Aquarelle umfasst.

1766 endete die eigene künstlerische Betätigung Maria Christinas, als sie den Bund der Ehe einging. Im Gegensatz zu ihren Schwestern hatte Maria Christina jedoch das Glück, als Lieblingstochter ihrer Mutter eine Liebesheirat eingehen zu dürfen. Prinz Albert von Sachsen-Teschen hieß der eigentlich nicht standesgemäße Bräutigam, der in Zukunft von seiner neuen Schwiegermutter stark gefördert wurde. Da sie nun als Ehefrau und Fürstin (Albert wurde erst Statthalter von Ungarn, später der Österreichischen Niederlande) ihren Verpflichtungen nachkommen musste, gab sie ihre eigene Malerei auf. Ihrem Hang zur Kunst ging sie dennoch weiter nach. Sie tat das über ihren Mann, in dem sie sein Interesse dafür weckte und zum Kauf vieler Druckgrafiken anregte, die den Grundstock der Sammlung der Albertina in Wien bilden sollten. Auch Werke von Maria Christina sind dort zu finden.
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Auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg besitzt einen royalen Schatz, nämlich mehr als 6.900 Blätter mit eigenhändigen Zeichnungen König Friedrich Wilhelms IV. (1795-1861), dem schon im Alter von 15 Jahren ein außerordentliches künstlerischen Talent attestiert wurde. Obwohl er sich den unterschiedlichsten Themen widmete, hatte es ihm die Architektur besonders angetan und einige seiner eigenhändigen Entwurfszeichnungen flossen in realisierte Bauwerke ein, darunter die Heilandskirche Sacrow sowie die Römischen Bäder und Schloss Charlottenhof im Park von Sanssouci.

Doch kehren wir noch einmal nach England zurück, wo König George III. und Königin Charlotte eine ähnlich umfangreiche Kinderschar hervorgebracht hatte, wie Maria Theresia und ihr Herr Gemahl, Kaiser Franz I. König George selbst behielt seine in Jugendjahren erweckte Liebe zum Zeichnen ein Leben lang bei und auch seine Kinder erhielten entsprechenden Unterricht. Hier tat sich vor allem Prinzessin Elizabeth, die spätere Landgräfin von Hessen-Homburg (1770-1840) hervor.
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Der umfangreichste Teil der königlichen Kunstwerke in der Royal Collection stammt jedoch von Königin Victoria (1819-1901) und ihrer Familie. Von Victoria selbst, die bereits als Prinzessin Zeichenunterricht erhielt, befinden sich rund 4.000 Werke in der Sammlung.

Das Interesse für künstlerisches Schaffen war etwas, das Victoria und ihr Gemahl, Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819-1861) verband. Schon kurz nach ihrer Hochzeit im Jahr 1840 nahmen sie Unterricht im Radieren und schufen gemeinsam 93 Druckplatten. Später versuchten sie sich in der Lithographie. Ihre Kunstwerke waren für den Privatgebrauch gedacht und wurden höchstens als persönliche Geschenke weitergegeben.
Ganz und gar nicht privat ist das berühmteste Kunstwerk von Victoria und Alberts Tochter Louise, der späteren Herzogin von Argyll (1848-1939). Auch die Königin und ihr Prinzgemahl waren darauf bedacht, ihre Liebe zur Kunst an ihre Kinder weiterzuvermitteln, wobei dies bei der talentierten Louise auf besonders fruchtbaren Boden fiel.

Vor allem die Bildhauerei hatte es Louise angetan, ein für eine Frau damals noch eher ungewöhnliches künstlerisches Betätigungsfeld. Allerdings war Louise allgemein eher unkonventionell und politisch sehr liberal eingestellt. Ihr bekanntestes Kunstwerk entstand, als das Goldene Thronjubiläum ihrer Mutter im Jahr 1887 näherrückte.
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Aus diesem Anlass suchte das Kensington Golden Jubilee Memorial Executive Committee nach Vorschlägen für eine Skulptur der Königin und nach einigem Zögern schickte Louise ihren Entwurf, den sie nach dem von George Hayter 1838 gemalten Krönungsporträt ihrer Mutter gestaltet hatte, anonym ein. Er wurde angenommen, doch am Tag des Thronjubiläums war die marmorne Ausführung noch nicht vollendet, sondern konnte erst 1893 von Königin Victoria höchstselbst vor dem Kensington Palace, Louises Wohnsitz, enthüllt werden. Die Statue fand allgemeine Zustimmung, doch gab es auch Kritiker, die behaupteten, Louise hätte sie gar nicht selbst ausgeführt, sondern diese Arbeit ihrem Lehrer, dem Bildhauer und Medailleur Joseph Edgar Boehm überlassen. Doch solche ungerechtfertigten Vermutungen musste früher so manche künstlerisch tätige Frau über sich ergehen lassen, egal ob königlicher oder bürgerlicher Abstammung.
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Kunst und Königshäuser sind im Laufe der Geschichte immer wieder eine Verbindung eingegangen. Fürst und Fürstin sammelten Kunstwerke und protegierten öffentlich ihre Lieblingsmaler. Das eigene Kunstschaffen war lange ein privater Zeitvertreib oder – wie am Hofe Maria Theresias – eine erzieherische Maßnahme. Heute wird mit dem Ausleben der kreativen Ader viel offener umgegangen und man darf gespannt sein, ob Estelle, George, Ingrid Alexandra und Co. den Kunstsinn ihrer Vorfahren geerbt haben.




