Eileen Gray war eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Architektur und des Designs der Moderne, obwohl sie 90 Jahre als werden musste, um für ihre Pionierarbeit die verdiente Aufmerksamkeit zu bekommen. Im Folgenden wollen wir einen Blick auf zwei ihrer modernistischen Meisterwerke werfen: die Villa E.1027 und der ikonische Beistelltisch, der denselben kryptischen Namen trägt.

Eileen Gray wurde 1878 im irischen Enniscorthy geboren, wuchs jedoch in London auf, wo sie in jungen Jahren ein Interesse an der Malerei entwickelte. Mit 20 war sie eine der ersten Frauen, die an der Slade School of Fine Art in London akzeptiert wurden. Anschließend ging sie nach Paris, um an der Académie Julian und der Académie Colarossi zu studieren. Nachdem sie zunächst zwischen London und Paris gependelt war, ließ sie sich 1906 in der Rue Bonaparte nieder. Sie begann mit Seizo Sugawara zu arbeiten, der für seine Lackarbeiten bekannt war. Ein paar Jahre später eröffneten sie gemeinsam eine Werkstatt und Eileen Gray begann, individuelle Möbel für einige der reichsten Kunden von Paris anzufertigen. Während des Ersten Weltkriegs kehrte sie nach London zurück und begann, sich für Innendesign zu interessieren. 1918 zog es sie wieder nach Paris.
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In Paris eröffnete sie den Laden Jean Désert. Der Name widerspiegelte Grays Vorliebe für Codes: "Jean" stand für ihren Geliebten, der rumänische Architekt Jean Badovici, der 15 Jahre jünger war als sie, und "Désert" für Marokko, das ihre eine wiederholte Quelle der Inspiration war. Zu ihren Kunden zählten James Joyce, Ezra Pound und Elsa Schiaparelli.
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Für ihre frühen Werke verwendete Gray exotisches Holz, Elfenbein und Pelze, doch Mitte der 1920er Jahre wurden ihre Designs zunehmend schlichter und industrieller. Sie widerspiegelten ihre wachsendes Interesse am Werk des schweizerisch-französischen Architekten Le Corbusier und weiterer Modernisten, für die die Funktion über der Form stand.
Von 1922 bis 1926 lernte Eileen Gray alles über Architektur, indem sie Theorien studierte, Zeichenunterricht nahm, architektonische Skizzen prüfte und die polnische Architektin Adrienne Górska zu Baustellen begleitete.

Währenddessen arbeitete sie an dem, was ihr ikonischstes Werk werden sollte. 1924 entwarfen sie und Jean Badovici die Villa E.1027 in Roquebrune-Cap-Martin an der Französischen Riviera. Der Name E.1027 ist wie Jean Désert ein Code, der sich folgendermaßen zusammensetzt: "E" steht für Eileen, "10" für den zehnten Buchstaben des Alphabets J (Jean), "2" für B (Badovici) und "7" für G (Gray).
Das rechtwinklige Haus, das zwischen 1926 und 1929 errichtet wurde, soll auf Le Corbusiers "Fünf Punkten der Architektur" basieren, da es auf Säulen steht und eine Dachterrasse, einen offenen Grundriss, Schiebefenster sowie eine freie Fassade hat.
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Es heißt, dass Le Corbusier, den eine ambivalente Beziehung mit Eileen Gray verband, Villa E.1027 so sehr bewunderte, dass er sein eigenes Sommerhaus, Le Cabanon, direkt daneben errichtete. Ende der 1930er Jahre nutzte er Grays Abwesenheit, um aus unklarem Grund und ohne Grays Einverständnis, die Wände von E.1027 mit großen Wandgemälden zu bemalen. Dieses Vorgehen war ganz und gar gegen Grays Willen, die das Haus frei von Verzierungen erdacht hatte.
Zu diesem Zeitpunkt war Eileen Gray fasziniert von leichten, funktionalen Möbeln, die man auf verschiedene Weise nutzen konnte. Sie nannte es "Camping Style". Unter anderem entwarf sie einen Servierwagen mit Korktablett, welches das Rattern auf dem Kupfer dämmte, und für den Eingangsbereich eines Hauses eine Hutablage aus Metallmaschen, um den Staub zu reduzieren.

Am berühmtesten ist jedoch ihr vielseitig wandelbarer Beistelltisch, der denselben Namen erhielt wie ihre Villa. Das Design erscheint schlicht, doch lagen drei Jahre zwischen der ersten Skizze und der Fertigstellung im Jahr 1927. Der E.1027 besteht aus verchromtem Stahlrohr und klaren oder getönten Glasscheiben. Mit seinen acht unterschiedlichen Befestigungspunkten kann das Möbelstück vielseitig verwendet werden, vom Beistell- bis zum Bartisch. Es heißt, dass Gray den Tisch für ihre ältere Schwester entwarf, die gerne im Bett frühstückte. Da sich das einzige Tischbein an der Seite befindet, ist es tatsächlich ein Leichtes, die Tischplatte über ein Bett zu ziehen, was ein Essen ohne unerwünschte Krümel zwischen den Laken ermöglichte. Der E.1027-Tisch soll auch das einzige Möbelstück gewesen sein, dass Eileen Gray mitnahm, als sie 1932 aus der Villa auszog, nachdem sie und Jean Badovici getrennte Wege gingen.
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Seine genial proportionierte und klare Form hat den Tisch zu einer der beliebtesten Designikonen des 20. Jahrhunderts gemacht und er gilt als eine von Eileen Grays klassischsten Schöpfungen. Vor ihrem Tod im Jahr 1976 verkaufte das Design (und auch das von anderen Werken, darunter der Sessel Bibendum) an den Möbelhersteller Aram.
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Noch mit über 90 aktiv, erhielt Eileen Gray endlich die verdiente Aufmerksamkeit für ihre Pionierarbeit, als Yves Saint Laurent 1972 den lackierten Paravent Le Destin erwarb. Im Jahr darauf kaufte er den Sessel Dragons, der 2009 bei einer Auktion für 21,9 Millionen Euro versteigert wurde, was ihn zum teuersten Sitzmöbel der Auktionsgeschichte machte.
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Gehören Sie auch zu den Leuten, die gerne im Bett frühstücken oder bevorzugen Sie ein sowohl praktisches, als auch minimalistisches Design? Dann ist der E.1027 genau das Richtige für Sie! Glücklicherweise tauchen Exemplare immer wieder auf dem Auktionsmarkt auf, wobei die Preise zwischen einigen wenigen hundert Euro und sechsstelligen Summen variieren. Die teuerste Version (ein Original aus den 1920er Jahren) wurde 2011 bei Christie's für 241.000 Euro verkauft.




