Durch die Hinwendung einiger Künstler zur Freilichtmalerei entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa und auch in Nordamerika zahlreiche Künstlerkolonien. Die bekannteste ist zweifellos die „Mutter aller Künstlerkolonien“, die Schule von Barbizon, im Wald von Fontainebleau, die Künstler zusammenbrachte, die mit den Bildkonventionen der Romantik mit ihren dramatischen Naturdarstellungen brechen wollten. Ihre realistischen Werke gelten heute als Initiatoren des Impressionismus.
Die von Jean-Baptiste Camille Corot begründete Schule von Barbizon, der sich Künstler wie Charles-François Daubigny und Jean-François Millet anschlossen, bestand hauptsächlich aus französischen Kunstschaffenden, die dort ungestört lebten und arbeiteten, jedoch in angemessener Entfernung von Paris, wo sie ihre Werke ausstellen und verkaufen konnten.
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Wie Barbizon ist auch das Dorf Grez-sur-Loing in der Nähe des Waldes von Fontainebleau südöstlich von Paris gelegen und auch hier siedelten sich Künstler an. Die natürliche Umgebung war ideal, um sich der Landschaftsmalerei hinzugeben, während es die geografische Lage ermöglichte, Teil der dynamischen Pariser Szene zu bleiben.

Doch Grez-sur-Loing zog keine französischen, sondern skandinavische und später auch angelsächsische Maler an, die eine eigene Kolonie gründeten. Karin und Carl Larsson, Julia Beck, Karl Nordström, Peder Severin Krøyer, Frank O'Meara, William Blair Bruce und Carolina Benedicks hielten sich um die Jahrhundertwende dort auf.
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Aus der Kolonie entwickelte sich eine lokale kulturelle Szene, die immer mehr bildende Künstler, aber auch Musiker und Schriftsteller anlockte. Die Gemeinschaft an sich, die entstandenen Beziehungen und die Feierlichkeiten im Ort wurden zu weiteren Inspirationsquellen der Künstler.

Immer mehr Künstler verließen in den 1870er Jahren die anderen Kolonien und die französische Hauptstadt, um sich im beschaulichen Grez-sur-Loing niederzulassen. Man sagt, die angelsächsischen Maler hätten den Ort bevorzugt, weil sie zum einen Barbizon und ähnliche Kolonien für überstrapaziert hielten, und ihnen zum anderen die Nähe des Flusses Loing gefiel, der nicht nur großartige Motive bot, sondern auch Freizeitbeschäftigungen wie Schwimmen und Rudern.
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Der Durchbruch der Freilichtmalerei im Frankreich der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte Auswirkungen auf ganz Europa: Kunst spielte sich nicht mehr nur in den großen Städten ab, sondern auch in kleinen Dörfern auf dem Land. Wen wir heute eine Kolonie wie Grez-sur-Loing betrachten, können wir die Verbindungen zwischen den künstlerischen Strömungen und den damaligen gesellschaftlichen Entwicklungen deutlich erkennen.
Nach ihrer Entstehung in den 1830er Jahren gewann die Freilichtmalerei stark an Bedeutung und wurde zu einer eigenständigen Kunstgattung, die die Gründung von Kolonien zur Folge hatte. Viele ausländische Künstler kamen damals nach Paris und schlossen sich von dort aus einer Kolonie ihrer Wahl an.
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Die Möglichkeit, die Natur „vor Ort“ zu malen, war das Ergebnis mehrerer Innovationen, insbesondere der Fotografie und der Erfindung der gebrauchsfertigen Ölfarbe in der Tube, die die Maler so mit sich führen konnten.
In Schweden waren die Möglichkeiten für Künstlerinnen sehr begrenzt, auch wenn die Akademie der Schönen Künste in Stockholm ab 1864 über eine Klasse für Malerinnen verfügte. In Frankreich gab es nicht nur mehr Kunstschulen, sondern auch mehr Freiheit. Zu den skandinavischen Künstlerinnen, die nach Grez-sur-Loing reisten, gehörten Julia Beck, Karin Bergöö (später Larsson), Eva Bonnier, Tekla Lindeström, Emma Löwstädt, Gerda Rydberg, Carolina Benedicks, Lisen Lemchen, Antoinette Vallgren, Sofie Holten und Elise Constantin Hansen. Für diese Frauen war die Kolonie eine Oase der Ruhe, ein Ort, an dem Kreativität, das Lernen neuer Techniken und Gemeinschaftssinn ein fester Bestandteil der Lebensweise waren.
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Zu dieser Zeit war es nicht ungewöhnlich, dass Künstler ihre Ausbildung zwischen öffentlichen Institutionen und privaten Kunstschulen aufteilten. In Europa wuchs die Kritik an den Akademien und ihren festgefahrenen Standards, so dass beispielsweise in Schweden 1885 die Gruppe der „Opponenterna“ gegründet wurde, aus der sich ein Jahr später der schwedische Künstlerverband entwickelte.

Gleichzeitig wurde die ideologischen Strömungen, die der Entwicklung der Industrialisierung entgegenstanden, populär und lösten den Wusch aus, näher an der Natur zu leben. Dies war in Grez-sur-Loing möglich, genauso, wie ein freier Zugang zur Weiterbildung. Hinzukamen auch interessante soziale Interaktionen. Das Zusammenleben in der Kolonie basierte auf Werten, die allen Mitgliedern gemeinsam waren. Carl Larsson und Karin Bergöö verlobten sich und bekamen ihr erstes Kind in Grez-sur-Loing, Karl Nordström lernte Tekla Lindeström kennen und William Blair Bruce und Carolina Benedicks waren ein wichtiges Paar innerhalb der Kolonie.
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Mitte der 1870er Jahre schlossen sich die ersten angelsächsischen Künstler der Kolonie an. Die ersten Schweden, die ankamen, Hugo Salmson und Oscar Törnå, ließen sich 1874 bzw. 1876/77 in Grez-sur-Loing nieder. Törnå, ein Freilichtmaler, ließ ein in Grez-sur-Loing hergestelltes Werk an der Akademie der Schönen Künste in Stockholm aufhängen, was die nächste Generation von schwedischen Künstlern veranlasste, sich in den 1880er Jahren dem französischen Dorf anzuschließen.
1882 kamen Christian Krogh, Peder Severin Krøyer und Karl Nordström, bald darauf auch Emma Löwstädt, Julia Beck, Karin Bergöö, Richard Bergh, Axel Leopold Cantzler, Nils Kreuger, Teodor Lundberg und Johan Tirén. Carl Larsson war bereits dort und die skandinavische Gruppe bezog das Hôtel Chevillon oder die Pension Laurent im Dorf.

Die Künstler malten hauptsächlich Dorfszenen und Landschaften mit der alten Brücke und dem Fluss Loing als wiederkehrende Motive. Einige stellten auch die lokale Dorfbevölkerung und Bauern dar und idealisierten deren einfache Lebensweise im Gegensatz zur Bourgeoisie, deren Stadtleben als zu dekadent galt.
Neben dem französischen Modell der Freilichtmalerei wurde die Arbeit der Künstler von Grez-sur-Loing vom Japonismus und Impressionismus beeinflusst. Doch obwohl die französische Malerei eine gemeinsame Hauptinspiration blieb, hinderte das die Künstler nicht daran, sich von den verschiedenen Nationalitäten im Dorf inspirieren zu lassen.
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Hin und wieder stößt man auf den Begriff „Grez-sur-Loing-Stil“, der von Grautönen und einer melancholischen Atmosphäre bestimmt ist. Einige Künstler, vor allem Skandinavier, sind jedoch eigene Wege gegangen. Frühling im April am Loing von Karl Nordström mit seinen leuchtenden Farben und fließendem Licht ist ein schönes Beispiel dafür.
Julia Beck, die sich zwischen 1882 und 1884 in Grez-sur-Loing aufhielt, hatte ein besonderes Gespür für Licht und das Einfangen einer Atmosphäre. Ihre Freilichtbilder der dortigen Landschaft zeigen oft Brücken, Gärten und Felder.

Als sich Carl Larsson 1882 der Kolonie anschloss, war er gerade von der Jury des Salons abgelehnt worden. Sein Aufenthalt sollte sich als sehr wichtig für seine Arbeit erweisen, die sich von akademischen Idealen zu einer realistischeren Herangehensweise zu bewegen begann. Sein Stilwechsel brachte ihm großen Erfolg und den Durchbruch im Pariser Salon von 1883, wo die Werke Oktober und November ausgestellt wurden.
Auch Larssons spätere Ehefrau, Karin Bergöö, entwickelte ihre Aquarelltechnik, indem sie die Steinhäuser und die vielen Gärten des Dorfes malte.
Das goldene Zeitalter der Kolonie Grez-sur-Loing dauerte von 1875 bis 1885. Der schwedische Teil der Kolonie blieb dort bis zum Ende. Trotz der Umwälzungen in der Kunstgeschichte seit Ende des 19. Jahrhunderts ist das Dorf Grez-sur-Loing ein inspirierender und friedlicher Ort für Künstler, Schriftsteller und Musiker geblieben.


