Haute Couture wird oft als etwas Magisches, Unerreichbares und Einzigartiges betrachtet - in einigen Fällen auch als etwas Merkwürdiges, Unbekanntes oder nur schwer Einzugrenzendes. Oft sind diese Design überbordend verziert oder von geradezu raffinierter Gradlinigkeit. Sie ist ein Symbol des ultimativen Luxus und Extravaganz, das allein für die Oberen Zehntausend bestimmt ist.
Der Begriff "Haute Couture" wurde 1908 vom Chambre Syndicale de la Haute Couture geschaffen, direkt übersetzt bedeutet er gehobene Schneiderei. Das Cambridge Dictionary definiert Haute Couture als teure Kleidung mit originellen Designs und hoher Qualität. Tatsächlich ist der Begriff jedoch viel komplexer und sollte nicht unbedacht verwendet werden, da der Begriff tatsächlich durch das französische Gesetz geschützt ist. Aber fangen wir von vorne an.
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Die Geschichte beginnt mit dem englischen Modedesigner Charles Frederik Worth, dessen Entwürfe im 19. und frühen 20. Jahrhundert den Höhepunkt der Mode darstellten. Er wird von vielen Historikern als Vater der Haute Couture angesehen.
Was viele nicht wissen, ist, dass auch ein Schwede an der Entstehung der Haute Couture beteiligt war. Es war der Geschäftsmann Otto Gustav Brobergh, der zusammen mit Worth 1858 das erste Modehaus der Welt gründete und aufbaute: House of Worth.
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Die Nähkunst an sich, die meist von Frauen ausgeführt wurde, besaß damals nur wenig Reputation. Worth änderte dies, indem er sich weniger als Handwerker, denn als Künstler betrachtete und seine Modelle auf eine Art präsentierte, die der Vernissage eines Künstlers glich. Statt wie bisher üblich auf Nachfrage zu nähen, basierten seine Designs nun auf eigenen Ideen und kreativer Tiefe. Die Kunden wählten ihr Lieblingsstück aus der Kollektion, das dann an die jeweilige Person angepasst wurde - eine Tradition, die noch heute bei den jährlichen Haute Couture-Shows im Januar und Juli zum Tragen kommt.

Charles Frederik Worth wurde zum führenden Namen des Modedesigns und seine Popularität reichte den den europäischen Königshäusern bis zu amerikanischen Multimillionären. Worth prägte nicht nur die Begriffe "Modedesigner" und "Modehaus", er machte dieses ehemals von Frauen geführte Handwerk auch zu einem Bereich, der später von Männern dominiert wurde. Leider wurde die Rolle der Frau in der Mode zu Worths Zeiten auf „petits mains“ reduziert, womit „kleine Hände für die niedere Arbeit“ gemeint waren, während Männer die Rollen kreativer Genies übernahmen.
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In Frankreich wird das Reglement der Haute Couture von der Chambre Syndicale de la Haute Couture kontrolliert. Gegründet im Jahr 1868, hat die Chambre Syndicale die Aufgabe, zu entscheiden, welche Modehäuser ihre Arbeit überhaupt Haute Couture nennen dürfen. Nur die Häuser, die die Kammer auf ihrer Liste führt, sind echte Couture-Häuser.
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Im Jahr 1945 schuf die Kammer die strengen Voraussetzungen für die Qualifikation: Die Häuser entwerfen und nähen auf Wunsch Kreationen für Privatkunden. Die Modehäuser müssen in Paris ein Atelier mit mindestens 15 Angestellten haben. Zu jeder Jahreszeit präsentieren die Häuser eine Kollektion mit mindestens 50 Kreationen. Die Kollektionen müssen sowohl Tages- als auch Abendgarderobe umfassen.
Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden die Modehäuser, die zum Synonym für Haute Couture wurden: Chanel, Balmain, Balenciaga und Christian Dior standen an der Spitze. Bei ihnen wurde die hohe Kunst des Nähens geformt, entwickelt und verfeinert.
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Aber wie viele andere Bereiche wurde auch die Modewelt durch den Zweiten Weltkrieg erschüttert. Es gab einen Mangel an Ressourcen, der die Herstellung von Konsumgütern einschränkte. Vielmehr mussten alte Kleidungsstücke abgeändert, ausgebessert, gehegt und gepflegt werden. Darüber hinaus verhinderte die Besatzung Frankreichs die Produktion und den Export von Haute Couture. Im Jahr 1947 erlebte die Haute Couture jedoch eine Renaissance, als der Franzose Christian Dior seinen bahnbrechenden New Look mit schmalen Taillen, engen Bleistiftröcken oder ausladenden Petticoats präsentierte. Der Nachkriegsglamour war geboren!
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In diesen legendären Haute Couture-Häusern begannen die Karrieren vieler zukünftiger Couturiers. Die nächste Generation von Modeschöpfern, die schließlich ihre eigenen Modehäuser gründeten, sollte in den 1960er und 1970er Jahren die einflussreichsten Designer hervorbringen. Yves Saint Laurent wurde bei Christian Dior ausgebildet, Pierre Cardin arbeitete mit Elsa Schiaparelli und der damals 22-jährige Emanuel Ungaro zog nach Paris, um für Cristóbal Balenciaga zu arbeiten.
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In den 1970er Jahren gab es weniger aktive Couture-Häuser als je zuvor. Nur 19 Modehäusern waren zugelassen, ein großer Unterschied zu den 1940er Jahren, als 106 Häuser den Haute Couture-Status erhielten. Die strengen Vorschriften des Chambre Syndiclae de la Haute Couture wurden als Ursache für diese erhebliche Verringerung angesehen. Die Zeit brachte auch eine wachsende Massenproduktion mit billigen Materialien und geringeren Qualitätsanforderungen mit sich. Darüber hinaus führte die Rezession zu einem Rückgang des Interesses an Haute Couture. In dieser Zeit verließen Giganten wie Thierry Mugler und Christian Lacroix das Syndikat.
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Seitdem haben eine gestärkte Wirtschaft und die zunehmende Globalisierung zu einem erneuten Interesse an Haute Couture geführt. Heute gibt es unter den anerkannten Couture-Häusern mehrere internationale Akteure, darunter die alte Garde (Chanel, Dior, Schiaparelli, Givenchy) bis hin zu zeitgenössischen Stars (Giambattista Valli, Isabel Marant, Alexis Mabile, Maison Margiela). Käufer aus China, dem Nahen Osten und Russland wollen alle Teil dieser magischen Welt sein, egal ob sie Stücke entwerfen oder tragen. Bei der Haute Couture dreht sich noch immer alles um exquisites Handwerk und fantasievolle Designs. Ihren Schöpfern ermöglicht sie es, der Höhe ihrer Kreativität Ausdruck zu verleihen, sei es mit der Mode an sich oder mit der Art und Weise, wie diese bei den legendären Laufstegshows unter Einsatz von Musik und Kunst präsentiert wird.

Ein Beispiel dafür ist die Haute Couture-Show F/W 17 von Iris van Herpen. Van Herpen, die schon immer Modekonventionen herausgefordert hat und oft auf der Grenze zwischen Mode und Wissenschaft wandelt, präsentierte ihre Kollektion in Begleitung der dänischen Musikgruppe Between Music, die in Wassertanks getaucht auftrat. Bei der Kollektion ging es darum, das Licht in der Dunkelheit zu unterstreichen, eine Botschaft, zu der die Musikinstallation mit ihren flinken und suggestiven Klangbildern beitrug.
In einer Welt der Massenproduktion, Billigketten und Kleidern von der Stange, können teure und langwierig anzufertigende Kreationen übertrieben wirken. Aber genau diese Kreationen erlauben den Modedesignern, kommerzielle Anforderungen zu ignorieren und zu ihrem eigentlichen Handwerk und dem was sie am meisten lieben zurückzukehren: dem Ausloten der Grenzen der Mode.
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Aktualisierte Version eines Artikels vom 27. Januar 2018







