Rosalba Carriera, eine der erfolgreichsten Künstlerinnen aller Zeiten, erblickte 1675 in Venedig als Spross einer wohlhabenden Familie das Licht der Welt. Es war eine Zeit, in der die Kunst von Männern dominiert wurde, doch sollte sich Rosalba darin behaupten und eine wichtige Figur bei der Förderung der Rolle der Frau in der Kunst spielen.
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Rosalba Carriera sollte zu einer gefragten Porträtmalerin in ganz Europa werden, von der sich auch gekrönte Häupter malen ließen, darunter Ludwig XV. von Frankreich und die Gemahlin Kaiser Josephs I., Wilhelmine Amalie.
Ihre künstlerische Karriere begann Carriera mit Entwürfen für Stickereien und der Dekoration von Tabakdosen, wobei sie als Grundlage für ihre Miniaturen Elfenbein verwendete, das ihren Arbeiten einen besonderen Glanz verlieh. Beeinflusst von der Schule ihrer venezianischen Heimat, verwendete sie den dort gelehrten kurzen Pinselstrich, der den Regeln anderer Akademien widersprach. Doch war es schließlich der römische Maler und Kupferstecher Antonio Balestra, der ihr half, die Grenzen der Miniatur zu überwinden.
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Als prominente Persönlichkeit Venedigs wurde Rosalba Carriera nicht nur wegen ihres Talents als Malerin bewundert, sondern war auch eine geschätzte Sängerin und Gesprächspartnerin, die in den wichtigsten künstlerischen und intellektuellen Kreisen Europas verkehrte. Auch wurde sie den damals sonst nur Männern vorbehaltenen Kunstakademien zugelassen. In Paris war sie Gast im Haus des bedeutenden Kunstsammlers Pierre Crozat, wo sie ihren Kollegen Antoine Watteau traf, den sie sogleich porträtierte. Allgemein lancierte Carriera während ihres Aufenthalts in der französischen Hauptstadt die Mode der Pastellporträts und nahm damit großen Einfluss auf die damalige Porträtkunst, indem sie dem Rokoko Charme und Lebhaftigkeit verlieh.
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Zum Erfolg Rosalba Carrieras trug neben ihrem unbestreitbaren Talent sicherlich auch die Tatsache bei, das die Verwendung von Pastellfarben den Gesichtszügen der Dargestellten eine sanfte und schmeichelhafte Note verlieh. Doch ging der Blick der großen Malerin über die Oberfläche hinaus, wodurch sich ihre Arbeiten durch eine starke introspektive Untersuchung auszeichnen – eine Fähigkeit, die einer psychologischen Studie ähnelt, die von einem tiefen Realismus umrahmt wird. Auf diese Weise wurde Emotionen und die Persönlichkeit der jeweiligen Person Teil des Bildnisses. Man kann daher durchaus sagen, dass Rosalba Carriera eine außerordentliche Avantgarde-Künstlerin ihrer Zeit war. Bemerkenswert ist, dass sie auch bei ihren Selbstporträts nicht auf diese "Seelenschau" verzichtete, wodurch wir es in ihnen mit einer auf den ersten Blick starken und stolzen Frau zu tun haben, über der sich jedoch bei näherer Betrachtung ein Schleier der Melancholie ausbreitete.
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Diese Melancholie verstärkte sich, als Rosalba Carrieras Schwester Giovanna, zu der sie eine starke emotionale Bindung hatte, 1738 verstarb. Für die Malerin, die nie geheiratet hatte, eine furchtbarer Verlust, der eine tiefe Depression auslöste. Diese wurde noch verstärkt, als Rosalba Carriera erblindete. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie in einem kleinen Haus im Stadtteil Dorsoduro ihrer Heimatstadt Venedig, wo sie am 15. April 1757 im Alter von 84 Jahren starb.
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