Mit Straße in Delft (1658-60), Briefleserin in Blau (1662-64), Der Liebesbrief (1669-70) und Dienstmagd mit Milchkrug (um 1660) ist das Rijksmuseum in Amsterdam im Besitz von vier der insgesamt nur 35 bekannten Gemälde Jan Vermeers (1632-1675). Ab Februar 2023 werden 23 weitere Werke des Barockmalers aus vielen bedeutenden Institutionen dazu stoßen, wenn das Museum anlässlich von Vermeers 390. Geburtstag die größte Ausstellung zu dessen Werk präsentiert, die er jemals gegeben hat.
Im Vorfeld der Ausstellung haben die Restauratoren und Forscher des Rijksmuseums gemeinsam mit ihren Kollegen vom Mauritshuis in Den Haag die hauseigenen Gemälde Vermeers mit Makro-XRF- und RIS-Scantechnologien unter die Lupe genommen, mit denen vor Kurzem auch Rembrandts Nachtwache bis ins kleinste Detail durchleuchtet wurde. Dabei kamen in Dienstmagd mit Milchkrug einige Details ans Licht, die Vermeer zunächst in seine Kompostion eingefügt hatte, nur um sie später doch wieder zu verwerfen und zu übermalen.
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„An dem Gemälde war bereits so viel Arbeit geleistet worden, dass wir nie damit gerechnet hätten, dass dank moderner Technologie etwas so Entscheidendes zum Vorschein kommen würde. Die Ausstellung im Jahr 2023 bietet dem Rijksmuseum die perfekte Gelegenheit, Vermeer mit den neuesten technologischen Errungenschaften, die uns zur Verfügung stehen, zu erkunden, und den Besuchern diesen mysteriösesten und beliebtesten Künstler aller Zeiten näher zu bringen“, erklärte Taco Dibbits, Generaldirektor des Rijksmuseums, in einer Pressmitteilung.

Was also verbergen die Farbschichten der heute bekannten, endgültigen Komposition von Vermeers Dienstmagd mit Milchkrug? Die nichtinvasiven Untersuchungen enthüllten, dass Vermeer zunächst eine Vorzeichnung aus groben Pinselstrichen in heller und dunkler Farbe ausführte, bevor er mit der feinen Ausarbeitung der Szene begann. Eine solche Untermalung in Schwarz konnte unterhalb der vorderen Arms der Magd identifiziert werden.
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Ebenfalls in Schwarz platzierte Vermeer zunächst einen Krughalter an der hinteren Wand auf Höhe des Kopfes der Dargestellten. Darunter auf dem Boden hatte er zunächst einen Feuerkorb geplant, bevor er diese Idee schließlich zugunsten eines Fußofens verwarf.

Wie bei seinen anderen Gemälden, bediente sich Vermeer auch für Dienstmagd mit Milchkrug bei den Gegenständen, die er in seinem eigenen Haushalt vorfand: Ein ähnlicher Krughalter befand sich in der Speisekammer und in seinem Nachlassinventar ist ein Feuerkorb aufgelistet. Aus Weidenzweigen geflochtene und mit Kohlenschalen bestückte Feuerkörbe dienten als Wärmequellen für Neugeborene und wurden auch zum Trocknen von Windeln verwendet.
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Bei den beiden schließlich übermalten Objekten handelt es sich also um typische Ausstattungsstücke eines damaligen Hauses; der Feuerkorb in erster Linie für einen Haushalt mit kleinen Kindern. Jan Vermeer und seine Frau Catharina Bolnes bekamen insgesamt fünfzehn Kinder, von denen vier früh starben. Ein Feuerkorb war im Hause Vermeer eindeutig vonnöten.
Die große Vermeer-Ausstellung im Rijksmuseum Amsterdam kann vom 10. Februar bis 4. Juni 2023 besucht werden.
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