Die 1950er, 60er und 70er Jahre verbinden viele mit farbenfrohen Stoffen, plakativen Mustern und großartigem Design. Stücke aus jenen Dekaden sind heute "heiße Ware" auf dem Sekundärmarkt mit in der Regel stetig steigenden Preisen. Natürlich sollte man stets mit dem Herzen kaufen, doch ganz ohne Verstand sollte man die Sache auch wieder nicht angehen. Welche Trends zu welchem Jahrzehnt der Blütezeit des skandinavischen Vintage-Designs gehören, haben wir für Sie einmal zusammengestellt.
1950er Jahre

Dieses Jahrzehnt setzte auf praktische Materialien wie feuerfeste Keramik, Edelstahl und Kunststoff. Die Porzellanmanufakturen Gustavsberg und Rörstrand präsentierten ofenfestes Porzellan, das direkt aus dem Ofen auf den Esstisch gestellt werden konnte. Beispiele dafür sind die Service Terma von Gustavsberg, Spisa Ribb von Stig Lindberg und Koka Blå von Hertha Bengtsson.
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Die Gebrauchsgegenstände dieser Zeit zeichneten sich durch organische Formen sowie klare, schlanke Linien, abstrakte Muster und leuchtende Farben aus. Es war nicht ungewöhnlich, dass sich zu den klassisch runden Formen des Porzellandesigns auch eckige gesellten. Auch konnten Muster und Farben innerhalb desselben Services variieren, die man nach Lust und Laune kombinierte, statt sich nur auf ein einzelnes Design zu beschränken.
Das Jahr 1955 war ein bedeutendes Jahr für das schwedische Möbeldesign, als der schwedische Handwerksverband mit der H55 in Helsingborg eine Ausstellung organisierte, die eine Manifestation der Architektur, Innenausstattung und Designs der 1950er Jahre darstellte und sich als eine wichtige Inspirationsquelle für schwedische Formen und Designs erweisen sollte. Die Ausstellung zog viele Menschen an und weckte sowohl das Interesse der Medien als auch von einzelnen Personen.

Die Möbel sollten nun so funktionieren, dass jedes von ihnen einen eigenen Ausdruck erhielt, ohne Teil eines vollständigen Möbelarrangements sein zu müssen. Der Sessel Lamino von Yngve Ekström ist mit seinem geformten Holz und klaren Linien in vielerlei Hinsicht ein Möbelstück jener Epoche, deren Einrichtungsideal gleichzeitig von Leichtigkeit und Strenge beherrscht wurde. Die Wohnungen wurden kleiner, wodurch mehr Flexibilität und Einfachheit gefordert waren. Mit Kunststoffen und Teakholz wurden zudem neue Materialen in dieser Dekade populär.
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1956 kam der Tulip Chair des finnischen Architekten Eero Saarinen auf den Markt, der aus Aluminium und Fiberglas bestand. Saarinen strebte nach einer einheitlichen organischen Form, die aus einem Stück und einem Material geformt werden sollte. Viel Einfluss hatte auch der dänische Designer Arne Jacobsen, der für seine Sitzmöbel berühmt ist, die Egg, Swan oder auch Ant heißen. Der Stuhl Ant ("Ameise") kam 1951 auf den Markt, ausgestattet mit drei oder vier Beinen und aus schwarzem Teakholz gefertigt. Mit Egg ("Ei") und Swan ("Schwan") folgten 1958 dann die beiden nächsten Kreationen, die heute absolute Klassiker sind. Der Stuhl der 1950er Jahre war jedoch der Schmetterlings- oder Fledermausessel, der bereits in den 1930er Jahren von einem Architekturbüro in Buenos Aires entwickelt worden war. Der Sessel wurde so populär, dass sich eine schwedische Firma namens IKEA es sich in den 60ern nicht nehmen ließ, mit Butterfly eine eigene Version auf den Markt zu bringen.
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Viola Gråsten war diejenige, die die Liebe der 1950er Jahre zu abstrakten Mustern im Textildesign einfing. Vor allem die Stoffe Scirocco und Festivo wurden zu ihrem großen Durchbruch und führten dazu, dass bedruckte Textilien bei Wohnungseinrichtungen populär wurden. Grafische Muster und eine straffe Geometrie sind auch in Karl Axel Pehrsons Stoff Delfinisk rörelse ("Delfinische Bewegung") zu bemerken. Textilmuster kamen nicht mehr nur in einem bestimmten Bereich zum Einsatz, sondern wurden für alles verwendet, vom Wäscheschrank bis zum Vorhang.
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1960er Jahre
Der Stilwandel, der nun erfolgte, machte sich in der Glasindustrie bemerkbar und war vor allem auf einen Generationswechsel zurückzuführen. Designer wie Gunnar Cyrén, Erik Höglund, Göran und Ann Wärff, Tom Möller und Monica Morales-Schildt, konzentrierten sich zunehmend auf Materialexperimente. Das Glas an sich sollte hervorgehoben werden – mit seinen Defekten wie Blasen und Verschiebungen. Glas wurde nun zunehmend als künstlerisches Medium wahrgenommen, was zu einem verstärkten Interesse führte. Gleichzeitig erhöhte Schweden seine Importe für Glas und Keramik, was es schwedischen Handwerkern erschwerte, mit ihren ausländischen Kollegen zu konkurrieren.

Die Glasfabrik Orrefors versuchte, Käufer durch Gunnar Cyréns Popglas zu gewinnen. In der Porzellanmanufaktur Gustavsberg produzierte Stig Lindberg das Berså-Geschirr, das zu einem der beliebtesten Tafelservice der 1960er Jahre wurde. Ein weitere hervorstechendes Stück der Porzellanproduktion von Gustavsberg war der Becher von Margareta Hennix, verziert mit der schwedischen Flagge und dem Text "Heja Sverige, friskt humör" ("Hallo Schweden, gute Laune"). Nichts war mehr heilig...
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Die organischen Formen aus den 1950er Jahren wurden Anfang der 1960er Jahre durch eine strengere und kantigere Formensprache abgelöst.Ein klares Beispiel dafür ist das pyramidenförmige Telefon Ericovox, das von Magnus Ahlgren, Torbjörn Olsson und Sven Silow für LM Ericsson entworfen wurde.

Die Bewunderung der Schweden für dänisches Design und Teakholzmöbel in den 1950er Jahren verlagerte sich in den 1960ern zunehmend auf finnisches Design und helle Holzsorten. Die Formen waren oft reduziert und geometrisch, wobei neue Materialien wie Spanplatten, Kunststoff und Stahlrohr immer beliebter wurden. Börge Lindau und Bo Lindekrantz entwarfen Stahlrohrmöbel wie die Stühle Royal und Ritz. David de Mayo produzierte den schlanken Rio-Stuhl aus glasfaserverstärktem Kunststoff in einem Metallrahmen. Ein absoluter Klassiker entstand am Anfang der Dekade, als der finnische Designer Eero Aarnio den Sessel Åskbollen entwarf, ebenfalls aus glasfaserverstärktem Kunststoff, jedoch in der ikonischen Kugelform.
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Kunststoffe wurden zunehmend omnipräsent. Der neue Kunststoff Melamin zeichnete sich durch seine Härte sowie Licht- und Hitzebeständigkeit aus. Die Krüge Fontana und Famos von Stig Lindberg bzw. Sigvard Bernadotte bestanden aus diesem Material. Bernadotte & Bjørn war eines der ersten etablierten Designbüros in Skandinavien. Von einem Aufenthalt in den USA hatte sich Bernadotte zur Gründung eines solchen Büros inspirieren lassen. Entworfen wurden bei Bernadotte & Bjørn alle möglichen Produkte für zu Hause, vom Dosenöffner Röda Klara bis zu einem Picknick-Set aus Kunststoff.

Die Leiterin des Innenarchitekturstudios NK, Lena Larsson, wurde zu einer zentralen Figur für die neuen Fragen bezüglich der Qualität, die immer häufiger diskutiert wurden. Der Begriff "Qualität" bedeutete ihrer Meinung nach Vielfalt und Wandelbarkeit und stehe für das neue Konsumbedürfnis der Jugend. Die Idee des "buy, wear and throw away" ("kaufen, tragen und wegwerfen") kam aus den USA herüber und fand ihren Niederschlag in der Werbung, die zu Neukäufen und ständigem Wechsel anregte. Der Durchbruch der Kunststoffe beeinflusste diese Verschleißgesellschaft und schuf die Wahrnehmung, dass sie die Lösung aller Probleme sei. Wenn einem etwas nicht mehr gefiel, musste man sich nur etwas neues besorgen. Läden für Haushaltswaren quollen über von bunten Plastik- und Einwegartikeln wie Papptellern und Plastikbechern.
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Im Textilienbereich entfernte man sich im Laufe der 1960er Jahre zunehmend vom bisherigen Ideal der strengen Geometrie. Mit Aufkommen der Pop Art wurden Stoffmuster fantasievoller, darunter Gunila Axéns Moln und Svan von KF Interiör. Auch Inez Svenssons bedruckter Stoff Camelot zeugte von dem gestiegenen Interesse an einer Alltagsästhetik. Die finnische Firma Marimekko startete bereits in den 1950er Jahren, doch erst im darauffolgenden Jahrzehnt, als Jackie Kennedy ein Marimekko-Kleid während der Präsidentschaftswahl in den USA trug, gelang der große Durchbruch.
1970er Jahre
Immer mehr Kunsthandwerker eröffneten ihre eigenen Werkstätten. Eine von ihnen war Stig Lindbergs Schülerin Åsa Brandt. Sie hatte ihren eigenen Glasofen, um ihre Kunstfertigkeit im Glasdesign frei ausdrücken zu können. Ulla Forsell folgte mit einer eigenen Glasfabrik in Stockholms Stadtteil Södermalm und Anders Wingård eröffnete seine Hütte in Skåne. Die Formensprache des Glases ging in eine rustikalere Richtung und im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten wollten die Designer ihre Werke nun selbst handhaben, formen und dekorieren. Ihr Glas hieß Atelierglas und stand im Gegensatz zu dem in den großen Glashütten hergestellten Glas.
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Die Bedeutung der Textilkunst wuchs in den 70er Jahren, um eine wichtigere Rolle in der öffentlichen Kunst einzunehmen. Edna Martin, die Leiterin des Textilbereichs an der Konstfack sowie Leiterin des Vereins Handarbetarnas Vänner war, schuf ab den 1970er Jahren emotional aufgeladene Textildrucke. Martin strukturierte den bisherigen Blick auf Textilien neu, der damals auf Möbel und Einrichtungsgegenstände fokussiert war. Stattdessen schuf sie Bildtextilien, mit denen sie öffentliche Gebäude wie Krankenhäuser schmückte, um den sterilen Eindruck, den eine solche Umgebung erzeugte, zu beseitigen.

Auch entstanden immer mehr abstrakte Muster in kräftigen Farben, wie die die Stoffe Stings und Twist, die von Stockholms Baumwollspinnereien entworfen wurden. Die Designer der 10-gruppen setzen ebenfalls auf kraftvolle Muster auf Stoffen und Objekten. Muster wurden auf Stoffe gedruckt, die an eine Unisex-Mode angepasst waren. Männer, Frauen und Kinder konnten Stücke aus derselben Kollektion tragen. Es gab Basiskollektionen, deren Stoffe sowohl zu Möbeln als auch zur Inneneinrichtung und Kleidung passten.
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Die 1970er Jahre waren nicht durch einen bestimmten Stil gekennzeichnet, sondern durch mehrere parallele Stilrichtungen. Das Interesse an billigeren und austauschbaren Möbeln wuchs. Gleichzeitig änderte die Möbelindustrie ihre Richtung und wandte sich nun an die unterschiedlichen Altersgruppen und nicht wie früher an unterschiedliche soziale Schichten. Sofas und Sessel wurden zunehmend mit auswechselbaren Polstern versehen und die Möbel an unterschiedliche Altersstufen angepasst, etwa an das Jugendzimmer und die erste eigene Wohnung junger Erwachsener, wofür Ikea den Weg ebnete.

Innerhalb der Möbelindustrie konnte man vor allem zwei Wege ausmachen, der eine ging in Richtung Zirbenholz, Teppichen und handgearbeiteten Spanplattenmöbeln. Der andere Weg drehte sich um ein verstärktes Interesse an älteren Handwerkstraditionen und Qualität. In dieser Zeit wurde die Möbelproduktion immer weiter ausgebaut. Åke Axelssons Stuhl Grekland war eine Reaktion auf die Industrialisierung und erfüllte gleichzeitig das Kriterium einer einfachen Konstruktion, die ihn schnell zu montieren und damit billiger machte.

Im Möbeldesign war ein klarer Trend zu gedeckten Orange-, Braun- und Dunkelgrüntönen zu verzeichnen. Es wurde immer mehr in Basismöbel investiert, die vor allem funktional und langlebig sein sollten. Statt eines normalen Tischs wählte man einen ausziehbaren oder Klapptisch und das Sofa hatte einen sichtbaren Holzrahmen, was die Möglichkeit bot, eine eigene Polsterung zu nähen.
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