Nachdem er mit dem Entwerfen von Bars und Sushi-Restaurants in Tokio in den 1970er Jahren seinen Durchbruch hatte, wurde Shiro Kuramata (1934-1991) einer jener Designer des 20. Jahrhunderts, deren Möbel von Sammlern auf der ganzen Welt gesucht werden. Seine Zusammenarbeit mit der Mailänder Memphis Group ist Teil der Designgeschichte und seine Kreationen gehören den Sammlungen von Museen wie dem Centre G. Pompidou in Paris, dem MoMA in New York, dem Vitra Design Museum in Basel, dem Victoria & Albert Museum in London und dem National Museum of Modern Art in Kyoto an.
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Tokios Polytechnikum und japanisches Post-War-Design
Shiro Kuramata studierte Architektur am Tokioer Polytechnikum, wo er 1953 seinen Abschluss machte. Anschließend begann er für den japanischen Möbelhersteller Teikokukizai zu arbeiten, nebenbei studierte er bis 1956 Wohndesign am Kuwazawa Institute for Design in Tokio. Von 1957 bis 1963 arbeitete er für das Kaufhaus Maysuya, ebenfalls in Tokio. 1965 wagte er den Schritt in die Unabhängigkeit und gründete sein eigenes Designstudio, mit dem er sich auf kommerzielle Projekte und individuelle Möbel fokussierte. In den folgenden Jahren entwarf er außerdem die Innenausstattung von mehr als 300 Bars und Restaurants.
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Kuramata gehörte der kreativen jungen Generation im Japan der Nachkriegszeit an, zu der auch sein Freund, der Modedesigner Issey Miyake, sowie die Architekten Arata Isozaki und Tadao Ando gehörten. Sie veränderten den Blick der Welt auf Japan, indem sie seine Geschichte, Tradition und Ästhetik dem modernen Geschmack öffneten. Kuramatas Designstil entsprach in seiner Einfachheit und Eleganz ganz der japanischen Eigenwilligkeit, doch war er sehr experimentierfreundlich in Bezug auf die verwendeten Materialien – einige von Kuramatas bekanntesten Kreationen sind aus Acryl, Glas, Aluminium und Stahlgeflecht gemacht, gebogen und geformt in innovativen Stilen.
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Ettore Sottsass und die Memphis Group
Mit seiner Vorliebe für verspieltes und buntes Design, schloss sich Kuramata 1981 Ettore Sottsass, einem der größten italienischen Designer des 20. Jahrhunderts, an, als dieser gerade die Memphis Group ins Leben rief. Memphis war ein in Mailand beheimatetes Kollektiv für Möbel- und Produktdesign, das die Geschichte des Designs prägen sollte. Beim Memphis-Look stand der Stil über der Funktion und hatte eine deutliche skulpturale Komponente, wobei ein Hang zum Minimalismus spürbar blieb. In der Gruppe kombinierten Kuramatas Designs die traditionelle japanische Ästhetik mit der der Gruppe eigenen Begeisterung für Farben und Formen, was zu einigen der verspieltesten Kreationen führte.
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Der Kyoto Table
Der Kyoto Table (1983) ist eines von Kuramatas bekanntesten Designs aus seiner Zusammenarbeit mit der Gruppe und verdeutlicht seinen innovativen Gebrauch von Beton und Glas in einem minimalistischen Tisch mit interessanter Oberfläche. Der Tisch basiert auf der von Sottsass selbst verwendeten Terrazzo-Technik, ersetzt jedoch die charakteristischen dunklen Steine durch bunte Glasscherben für einen leichteren Look. Kuramata taufte das Material star piece und erklärte, dass es die "Trümmer der Erinnerung" repräsentiere. Später wurde es zu einem Signature-Motiv seiner anderen Innendesignprojekte.
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Das Nikko Cabinet
Das elegante Nikko Cabinet (1982) kombiniert lackiertes Holz mir lackiertem Stahl in einem verträumten Retro-Rosa. Der zylindrische Fuß macht einen Großteil des Designs aus und verleiht dem Kabinett ein verspielt-skurrile Atmosphäre, die den Einfluss von Ettore Sottsass und dem Memphis-Kollektiv widerspiegelt.
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Der Ritz Writing Desk
Der Schreibtisch Ritz (1980), ein weiteres bekanntes Design von Kuramata aus seiner Memphis-Periode, besteht aus einer geometrischen Schreibplatte aus Birkensperrholz, Metall und Holz, die einen simplen Schreibtisch mit einem zentralen Aufbewahrungsfach kombiniert. Dieses unterbricht beinahe das Möbelstück für einen bemerkenswerten visuellen Effekt.
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Die späten 80er
Andere berühmte Designs Kuramatas abseits von dessen Zusammenarbeit mit Sottsass und der Memphis Group umfassen das Cabinet de Curiosité (1989), ein modernes neonfarbenes Kuriositätenkabinett aus Acryl, das die darin ausgestellten Objekte wie schwebend erscheinen lässt, den Stuhl Miss Blanche (1988), eine Ikone des modernen Designs aus klarem, mit Kunstrosen gefülltem Acrylharz, die auf dem Auktionsmarkt sechsstellige Summen erzielt, sowie der weltberühmte Stuhl How High the Moon (1986), ein Sessel aus Stahlgeflecht ohne äußeren Rahmen, der sowohl in der Sammlung des Metropolitan Museum, als auch des Museum of Modern Art (MoMA) anzutreffen ist.
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Kuramatas meistgesuchte Designs stammen aus den 1980er Jahren, jener Periode, in der er sich auf dem Höhepunkt seines Ruhms befand, bevor er 1991 im Alter von nur 56 Jahren starb. Zwei Jahre zuvor hatte er beschlossen, sich mit seinem Studio in Paris niederzulassen. Shiro Kuramata bleibt in Erinnerung als einer der größten postmodernen Designer und konzeptuellen Künstler, der sowohl dem japanischen, als auch dem westlichen Design neue Energie gegeben hat.




