Eine ganz eigene Kategorie bei der Darstellung der Welt bilden Landkarten und Globen, die kulturell wichtige Zeugnisse zum Wissensstand der Epoche ihres Entstehens darstellen. Wir haben zwölf historisch bedeutsame Beispiele einmal für Sie zusammengestellt.
Atlas Farnese

Globen hat es bereits in der Antike gegeben, denn dass die Erde eine Kugel und keine Scheibe ist, war bereits bekannt und Gelehrte wie beispielsweise Aristoteles (384-322 v. Chr.) beschäftigten sich mit der Berechnung ihres Umfangs. Ebenso sollen Himmelsgloben existiert haben, die die für Griechen und Römer so bedeutsamen Sternbilder darstellten. Die Jahrtausende überdauert hat keiner dieser Globen – jedenfalls nicht direkt. Denn im Archäologischen Nationalmuseum Neapel steht die römische Marmorkopie einer griechisch-hellenistischen Skulptur, die den Titanen Atlas darstellt, der nach einem Aufstand gegen die Götter des Olymps damit bestraft wurde, fortan das Himmelsgewölbe tragen zu müssen. Der Atlas Farnese in Neapel trägt das Himmelsgewölbe in Gestalt eines Himmelsglobus. Während sich die Skulptur in die Zeit um 150 n. Chr. datieren lässt, ist die Datierung des auf der Kugel abgebildeten Sternenhimmels noch immer nicht geklärt: Ist dort die Sternenkonstellation aus der Entstehungszeit des griechischen Originals abgebildet oder jene aus der Entstehungszeit der römischen Kopie? Für die Antwort muss in jedem Fall auch das Talent des Bildhauers berücksichtigt werden.
Lesen Sie auch: 5 Skulpturen in Italien, die man gesehen haben muss
Ebstorfer Weltkarte

Nachdem die Gelehrten der Antike sich bereits ein ordentliches Wissen über die Geografie der ihnen bekannten Welt angeeignet hatten, waren diese Kenntnisse im europäischen Mittelalter weitgehend verloren gegangen. In Europa kamen ab dem 8. Jahrhundert die mappae mundi auf, deren bekannteste Form die kreisrunden Radkarten waren. Gemäß der damaligen Weltanschauung und geschuldet der Tatsache, dass diese Karten meist von Mönchen angefertigt wurden, spielte nicht die geografische Genauigkeit die Hauptrolle, sondern eine christlich-religiöse Darstellung. So ist Jerusalem in diesen Karten beispielsweise im Zentrum der Welt zu finden. Ein imposantes Beispiel für diese mappae mundi ist die Ebstorfer Weltkarte, die vermutlich um 1235 in einem Kloster in der Lüneburger Heide herstellt wurde und mit einem Durchmesser von 3,57 m die größte bekannte Karte ihrer Art ist.
Lesen Sie auch: Weltrekord für seltene Nürnberger Chronik
Weltkarten nach Ptolemäus

Eine Art späte mappa mundi ist jene kostbare und große Radkarte (2,4 x 2,4 m), die der venezianische Mönch und Kartograf Fra Mauro 1459 für den König von Portugal anfertigte. Sie basierte nicht auf dem christlichen Weltbild, sondern auf geografischem Wissen der Antike. Dieses hatte Europa im 14. Jahrhundert in Gestalt eines alten Manuskripts in griechischer Sprache erreicht: Es war eine Ausgabe der um 150 n. Chr. verfassten Geographike Hyphegesis des griechischen Gelehrten Claudius Ptolemäus. Das Manuskript selbst beinhaltete keine Karten, jedoch zahlreiche geografische Anleitungen und Tabellen, anhand derer nun Karten der Ptolemäus bekannten Welt angefertigt wurden.

Die Mappa mundi des Fra Mauro basierte ebenfalls auf den Angaben des Ptolemäus, ergänzte diese jedoch durch die von den Portugiesen, die damals die führende Seemacht waren, gewonnenen neuen Entdeckungen, vor allem hinsichtlich der afrikanischen Westküste.
Besitzen Sie einen Globus oder eine Landkarte, deren Wert Sie gerne ermitteln lassen würden? Wenden Sie sich noch heute an die Experten von ValueMyStuff!

Im Gegensatz zum christlichen Europa hatte das Wissen der Antike im Mittelalter in der islamischen Welt überlebt, was sich auch in den geografischen Werken widerspiegelt. Kartographen wie dem aus Nordafrika stammenden Muhammad al-Idrisi war das Werk Claudius Ptolemäus' vertraut. Al-Idrisi nutzte es beispielsweise, als er um 1150 für König Roger II. von Sizilien, an dessen Hof er fast zwanzig Jahre verbrachte, die Tabula Rogeriana anfertigte, die zudem Gebiete umfasste, die einem christlichen Gelehrten der damaligen Zeit nicht zugänglich waren.
Lesen Sie auch: Im Gespräch mit Sotheby's über das Sammeln von Islamischer Kunst
Tabula Peutingeriana

1507 erhielt der Augsburger Humanist Konrad Peutinger von seinem in Wien lebenden Kollegen Conrad Celtis eine aus zwölf Segmenten bestehende, insgesamt 680 cm x 34 cm messende Rollkarte zugesandt, die nach ihm benannt werden sollte: die Tabula Peutingeriana. Die Karte, bei der es sich vermutlich um die mittelalterliche Kopie einer karolingerzeitlichen Vorlage handelt, zeigt das Straßennetz des römischen Reichs um 375. Daher ist anzunehmen, das auch die karolingerzeitliche Vorlage auf ein römisches Original aus jener Zeit zurückgeht. In gewollt stilisierter Form sind vor allem die Gebiete des Römischen Reichs von den Britischen Inseln bis nach Vorderasien dargestellt. Jedoch ist auch Indien wiedergegeben, was darauf schließen lässt, dass der römischen Karte wiederum Quellen aus hellenistischer Zeit zugrunde liegen. Die Tabula Peutingeriana ist eine wichtige Quelle der Forschung, beinhaltet sie doch rund 555 Ortsnamen und 3.500 weitere markante Plätze und geografische Punkte sowie Angaben zu den Längen einzelner Etappen.
Lesen Sie auch: Buddha trägt Toga: Wie die griechische Kunst buddhistische Darstellungen beeinflusste
Martin Behaims Erdapfel

Den ältesten erhaltenen Erdglobus kann man im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg bewundern. Der geographische Schatz mit einem Durchmesser von 51 cm wurde um 1492-93 unter der Anleitung des Nürnberger Händlers Martin Behaim, der wenige Jahre zuvor während eines Aufenthaltes in Portugal in den dortigen Ritterstand erhoben worden war, im Auftrag des Nürnberger Rats angefertigt. Er ist eines letzten kartographischen Werke, auf denen die Neue Welt fehlt. Diese wurde bekanntermaßen zeitgleich von Kolumbus entdeckt, der allerdings bis zum Ende seines Lebens glaubte, einen alternativen Seeweg nach Indien gefunden zu haben. Diese Ansicht teilte Kolumbus mit Behaim, der seinen Erdapfel auf Grundlage derselben Berechnungen anfertigte. Ob Behaim zum Zeitpunkt seines Todes (er starb 1507 verarmt in Lissabon) von der Entdeckung eines neuen Kontinents, den Amerigo Vespucci 1503 in seinem Reisebericht Mundus Novus beschrieb, überzeugt war, ist nicht bekannt.
Lesen Sie auch: Buchillustration von Albrecht Dürer entdeckt
Waldseemüller-Karte von 1507

Einer, der definitiv an die Entdeckung der Neuen Welt glaubte, war der deutsche Kartograph Martin Waldseemüller, der sich nach einem Mathematik- und Geographiestudium an der Universität Freiburg dem humanistischen Kreis im Kloster des lothringischen Saint-Dié-des-Vosges/Sankt Didel angeschlossen hatte. Waldseemüller beschäftigte sich intensiv mit Amerigo Vespucci und die von ihm 1507 erstellte Weltkarte war die erste, die die bis dahin bekannte Landmasse im Westen mit „America“ bezeichnete. Er wählte diesen Namen, da er Vespucci für den wahren Entdecker des neuen Kontinents hielt, da dieser die Entdeckung erstmals als neuen Kontinent identifizierte und zudem eingehende Erkundungen entlang der Ostküste Südamerikas durchgeführt hatte. Mit der Verweiblichen des Vornamens Vespuccis passte sich Waldseemüller der üblichen Praxis an, der auch die lateinischen Bezeichnungen „Europa“, „Asia“ und „Africa“ entstammten.
Die Karten und Globen des Gerhard Mercator

Einer der bedeutendsten Kartographen seiner Zeit, dessen Einfluss bis in die heutige Zeit reicht, war im 16. Jahrhundert der Flame Gerhard Mercator, der von seinen Zeitgenossen als „neuer Ptolemäus“ gefeiert wurde. Mit seiner Weltkarte von 1569 in winkeltreuer Projektion (später nach ihrem Erfinder Mercator-Projektion getauft), schuf er eine Karte, die auch für die Seefahrt geeignet war. Dabei wird die Kugeloberfläche der Erde als Zylinderabbildung auf eine zweidimensionale Fläche übertragen. Das Liniennetz, mit dem Mercator seine Karte überzog, ist auch heute noch Navigationsgrundlage aller Karten, auch bei Online-Kartendiensten wie beispielsweise Google Maps.
Lesen Sie auch: Die Kartierung der Welt: Tipps für Neusammler

Mercators Weltkarte von 1569 war jedoch nicht das erste Werk des genialen Kartographen, das nachhaltigen Einfluss hatte. Bereits 1541 bzw. 1551 hatte er einen Erd- und einen Himmelsglobus geschaffen, die den Trend auslösten, beide Sphären im Doppelpack zu erwerben. Vereinzelt hatte es das vorher schon gegeben, doch dadurch dass Mercators Werke nicht nur auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand und zudem mit einem Umfang von 130 cm und einem Durchmesser von 41 cm die größten Globen ihrer Zeit waren, heizten sie den Trend weiter an. Mercators ausgezeichneter Leumund als Kartograph spielte dabei natürlich auch eine Rolle. Das Geschäft blühte!
Mit der Darstellung von Loxodromen, die die Längengrade in immer gleichen Winkel schneiden, war der Erdglobus zudem ein früher Versuch Mercators, einen Globus für die Seefahrt nutzbar zu machen.
Möchten Sie Artikel wie diesen direkt in Ihrem Posteingang entdecken? Dann melden Sie sich noch heute für unseren kostenlosen Newsletter an!
James Cooks Karte der Südhalbkugel

Zugegeben, bei James Cooks Karte der Südhalbkugel handelt es sich nicht um eine Weltkarte, jedoch lieferte sie viele neue Erkenntnisse räumte mit einem Mythos auf, der die Menschheit seit Jahrhunderten bewegte: die Existenz eines gewaltigen Südkontinents, der auf der Südhalbkugel einen Gegengewicht zu den Landmassen der Nordhalbkugel bilden musste. Man stellte sich diese Terra Australis als einen angenehmen Ort vor, mit dessen Bewohnern man Handel betreiben könnte.
Nachdem Cook während seiner Südseereise (1768-71) als erster Europäer Australien betreten hatte, machte er sich auf seiner zweiten Reise (1772-75) auf die Suche nach dem sagenumwobenen Kontinent und überquerte dabei wohl als erster Mensch überhaupt den Südlichen Polarkreis. Aufgrund von Packeis konnte er nicht bis zur tatsächlich existierenden Antarktis vordringen, doch seine Karte der Südhalbkugel machte deutlich, dass dort nicht genug Platz für eine riesige Landmasse sein kann.










