Jenny Nyström war eine der bedeutendsten Illustratorinnen des 20. Jahrhunderts, deren Darstellung des Weihnachtsmannes zum Synonym für dessen schwedische Version geworden ist, die bis heute reproduziert wird und das Weihnachtsfest in Schweden prägt.
Doch sollte Nyström nicht nur wegen ihrer wundervollen Weihnachtsmotive in Erinnerung bleiben. Denn sie war eine Pionierin des Illustratorenberufs und unterstützte mit ihren Zeichnungen ihre gesamte Familie.

Jenny Nyström wurde 1854 in Kalmar geboren und zog im Alter von acht Jahren mit ihrer Familie nach Göteborg. Bereits als Zwölfjährige begann sie dort ihre Ausbildung an der Musei Ritoch Målarskola, die heute als Konsthögskolan Valand bekannt ist. An der Schule studierte sie bei Fredrik Wohlfart, Gustaf Brusewitz und Hilda Lindgren.
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1873 wurde Nyström an der Akademie der Künste aufgenommen, wo sie bis 1881 blieb. Ihre lange Studienzeit war auf ihren Entschluss zurückzuführen, unbedingt eine Goldmedaille erhalten zu wollen, was vor ihr nur einer einzigen Frau gelungen war (Emma Ekwall 1871). 1881 erhielt sie die ersehnte Medaille für ihr Werk Gustav Vasa som barn inför kung Hans („Gustav Vasa als Kind vor König Hans“) sowie ein großzügiges Stipendium. Mit dem Geld reiste sie nach Paris, wo sie an der Académie Colarossi und später an der Académie Julian studierte.

Damals hielten sich in Paris viele nordische Kunststudentinnen auf, die sich meist vom Impressionismus inspirieren ließen. Jenny Nyström hingegen interessierte sich mehr für die traditionelle französische Malerei.
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1884 durfte sie im Pariser Salon ein Selbstporträt ausstellen, das sie im schwarzen Kleid mit einem Veilchenstrauß an der rechten Schulter zeigt. In der schwedischen Zeitung Aftonbladet schrieb Spada (eigentlich J. K. Janzon) am 1. Mai 1884: „…man befindet, dass die Künstlerin ein vornehmes Aussehen in ihrer schwarzen Kleidung, einem Veilchenstrauß auf der rechten Schulter, dem schönen Hut und einem üppigen Pony, der ihr in ein paar Wochen über die Augen gewachsen sein sollte, aufweist. Vielen Dank für ein solches künstlerisches Talent!“
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Zu ihren Sujets zählten damals Landschaften, Darstellungen des Volkslebens und Porträts im Stil der 1880er Jahre. In ihren frühen Jahren malte sie in Öl, Aquarell und Pastell und schuf Werke mit Titeln wie En bondes trädgård på Aspö („Bauerngarten in Aspö“), Våren i Meudon („Frühling in Meudon“), Gumman från Greuze („Die alte Frau von Greuze“), Från min atelier i Paris („Aus meinem Atelier in Paris“) und Konvalescenten („Die Genesenden“), die typisch waren für ihren Stil.
Doch trotz dieses vielversprechendes Starts gab Nyström die Ölmalerei zugunsten der Illustrationen auf.
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1887 heiratete Jenny Nyström Daniel Stoopendaal und bekam mit ihm 1893 einen Sohn, Curt. Daniel Stoopendaal studierte Medizin, machte jedoch nie seinen Abschluss. Vielmehr soll er eine Art Lebemann gewesen sein, sodass es im Laufe der Jahre zu Jennys Aufgabe wurde, für die Familie zu sorgen.
Ob es lediglich aus Notwendigkeit oder auch aus persönlichem Interesse am Unternehmertum heraus geschah, ist unklar, doch die Menge an Illustrationen, die Nyström schuf, war enorm. Sie war eine geschickte Geschäftsfrau und angesichts des harten Konkurrenzkampfes zwischen den Porträtmalern boten Illustrationen, mit denen sie sich schon länger beschäftigte, eine sicherere Lebensgrundlage.
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Im Alter von siebzehn Jahren hatte Jenny Nyström in Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning Viktor Rydbergs Weihnachtsgeschichte Lille Viggs äfventyr på julafton („Lille Viggs Abenteuer am Heiligabend“) gelesen und ließ sich inspirieren, die Geschichte zu illustrieren. Ihre Zeichnungen schickte sie an den Chefredakteur der Zeitung – der Beginn der heute so bekannten Darstellung des schwedischen Weihnachtsmannes. Das Buch wurde 1875 mit Nyströms Bildern veröffentlicht und die Zusammenarbeit mit Rydberg wurde 1881 mit Illustrationen für das Gesicht Tomten („Der Wichtelmann“) fortgesetzt. Nyström war eine vielseitige Künstlerin, blieb aber für immer mit ihren Wichteln verbunden und beschäftigte sich für den Rest ihres Lebens mit Darstellungen des schwedischen Weihnachtsfests.

In den 1880er und 90er Jahren illustriere sie eine lange Reihe von Büchern, u. a. von August Blanche, Emilie Flygare-Carlén, CD af Wirsén und Karl Alfred Melin. Ihre Illustrationen erschienen auch in Zeitschriften wie Ny Illustrad Tidning und Svea sowie in Kalendern. Vor allem aber wurde sie durch Kinder- und Jugendbücher bekannt. Bekannte Titel sind unter anderem Barnkammarens bok („Das Kinderzimmer-Buch“, 1882), Svenska folksägner („Schwedische Volksmärchen“, 1882), Franska sagor efter Laboulaye och Perrault („Französische Märchen nach Laboulaye und Perrault“, 1903) und Laura Fitinghoffs Bibliotek för barn och ungdom („Laura Fitinghoffs Bibliothek für Kinder und Jugendliche“, 1886).
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Wenn Verlage wie Bonnier Ausschreibungen aussandten, meldete sich nicht selten Jenny Nyström, die einen höheren Preis verlangte – sonst musste man sich dort eben nach einem anderen Illustrator umsehen. Nyström war eben, ganz die Geschäftsfrau, noch immer so hartnäckig wie zu jener Zeit, als sie unbedingt die Goldmedaille haben wollte, und ebenso mutig, wie damals, als sie ihre Zeichnungen dem Chefredakteur von Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning schickte.

Obwohl ihre Illustrationen heute vor allem Erinnerungen an längst vergangene Zeiten sind, darf man nicht vergessen, dass Jenny Nyström für ihre Zeit eine sehr moderne Frau war. So ernährte sich nicht nur ihre Familie, sondern behauptete sich auch in der von Männern dominierten Künstlerwelt und interessierte sich für moderne Entwicklungen und das Zeitgeschehen. Auch war sie Mitglied in der Bewegung der Opponenten, die in den 1880er Jahren schriftliche Forderungen an die Akademie der Künste schickten, um eine Modernisierung der künstlerischen Ausbildung zu verlangen. Zweifellos war Jenny Nyström eine Frau mit starkem Zukunftsglauben.
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Die Motive ihrer Illustrationen waren oft großbürgerlich geprägt und brachten eine Art idealen Lebensstil zum Ausdruck, zu dem man, wenn man nicht schon dazugehörte, gerne dazugehören wollte. Doch brachten ihre Weihnachtskarten und andere Illustrationen auch die Veränderungen der Zeit zum Ausdruck, so ersetzte sie bisweilen den traditionellen Schlitten des Weihnachtsmannes durch ein Auto oder Flugzeug. Eine zeitgenössische Reflexion auf einer Neujahrskarte zeigt sogar ein Kriegsschiff, dessen Kanonen die Grüße „abfeuern“.
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Im Laufe ihres Lebens schuf Jenny Nyström rund 10.000 Bilder, von denen einige noch immer nachgedruckt werden. Ältere Ausgaben sind in Antiquariaten und auf Auktionen zu finden und stellen begehrte Sammlerobjekte dar. Als Jenny Nyström 1946 im Alter von 91 Jahren starb, übernahm ihr Sohn Curt Nyström die Geschäfte.
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Heutzutage erfreuen sich nicht nur Nyströms Weihnachtsmotive, die es auch als Porzellanfiguren gibt, großer Beliebtheit bei Auktionen. Auch ihre Porträts, Landschaften und Genrebilder erzielen hohe Preise.
Wer Jenny Nyströms Gemälde mit eigenen Augen sehen möchte, kann die im Kalmar läns museum, im Göteborgs konstmuseum, im Nationalmuseum, im Nordiska museet sowie im Kalmar konstmuseum tun. 2018 zeigte das Sven-Harry Konstmuseum in Stockholm eine umfangreiche Ausstellung mit Illustrationen und Gemälden von Jenny Nyström, die ihr gesamtes künstlerisches Schaffen repräsentierten.
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