Am Ende des 19. Jahrhunderts blickten die Menschen positiv in die Zukunft. Die industrielle Revolution und der fortdauernde technische Aufschwung machten das Leben für jeden, der es sich leisten konnte, so komfortabel wie nie zuvor. Die wachsenden Städte boten mit ihren eleganten Straßen, Parks und Unterhaltungsmöglichkeiten Zerstreuung für jedermann und in London und Paris gab es die ersten großen Kaufhäuser, die dem Begriff Konsum eine völlig neue Dimension gaben. Es vor allem die Frauen, die sich von diesen Geschäften angezogen fühlten. Dabei ging es nicht nur um den Konsum allein, sondern auch um die Möglichkeit, als Frau alleine ausgehen zu können, um sich an einem Ort aufzuhalten, der sicher und respektabel war.

In dieser Epoche begannen Frauen sich vermehrt um ihre Freiheit und persönlichen Rechte Gedanken zu machen und traten dafür auch öffentlich ein. Sie wollten – im eigentlichen und im übertragenen Sinn – ihr enges Korsett sprengen. Erste Versuche gab es mit den sogenannten Reformkleidern, die sich jedoch nicht durchsetzen konnten. Es war schließlich der Erste Weltkrieg, der die Frauen endgültig vom Korsett befreite, da sie in dieser Zeit vermehrt berufstätig wurden.
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Die Industrialisierung, deren Errungenschaften regelmäßig auf den gutbesuchten Weltausstellungen präsentiert wurden, hatte neue Möglichkeiten der Serien- und Massenproduktion eröffnet. An einigen Orten begannen nun Künstler und Kunsthandwerker, diese Entwicklung in Frage zu stellen. Sie wünschten sich zudem ein neues, frisches Design, das von hoher Qualität war und sich von den schwerfälligen und überladenen Formen des Historismus, der viele Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts geprägt hatte, distanzierte.

Den Anfang nahm diese Entwicklung mit dem Art and Crafts Movement in England. Auf dem europäischen Kontinent kamen beispielsweise mit der Wiener Werkstätte, der École de Nancy und der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe in Darmstadt weitere Zentren hinzu, in denen ein neuer, moderner Stil kreiiert wurde, der in Deutschland als Jugendstil und in England und Frankreich als Art nouveau bekannt ist.
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Genau wie bei Kleidung, Möbeln und Kunsthandwerk, vollzog sich auch beim Schmuck ein Wandel im Design. Das Blumige, das zuvor Mode gewesen war, wurde nun abgelöst durch nach wie vor verspielte, aber nicht mehr überladen wirkende Kreationen. Der Einfluss der japanischen Kunst spielte hier eine Rolle. Ein absoluter Meister seines Faches und stilprägend für die Epoche, war der französische Schmuck- und Glashersteller René Lalique, der sich von einer "persönlichen Dreifaltigkeit" inspirieren ließ: Femme, faune, flore (Frau, Tierwelt, Blume). Zudem war es die Verwendung neuer, oft durchscheinender Materialien wie Glas, Horn oder Perlmutt, die völlig neue Effekte erzielten.
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Der irisierende Effekt, den Lalique bei einigen seiner Schmuckkreationen anwendete, kam auch in der Glasherstellung zum Einsatz. 1894 hatte der Amerikaner Louis Comfort Tiffany das Favrile-Glas erfunden, das über eine irisierende Oberfläche verfügte und wie Perlmutt schimmerte. Allgemein kam der von der Natur geprägte Geist des Jugendstils in der Glaskunst gut zur Geltung. Neben Lalique und Tiffany waren es Künstler wie die Brüder Daum und Émile Gallé im ostfranzösischen Nancy oder die Firma Joh. Loetz Witwe in Böhmen, die sich von der Natur inspirieren ließen und in ihren fragilen Meisterwerken festhielten.
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Mit dem Fortschreiten des Jugendstils wurden dessen Formen immer stilisierter und plakativer. Dieser neue Stil erlebte seinen Höhepunkt in den 1920er und 1930er Jahren und wird Art déco genannt. Diese Bezeichnung existiert jedoch erst seit den 1960er Jahren. Davor waren Begriffe wie Moderner Stil oder Französischer Stil gebräuchlich gewesen. Wie zuvor der Jugendstil kam auch das Art déco in allen Bereichen des Kunsthandwerks zu Einsatz, von der Zeitschriftenillustration über Schmuck und Möbel bis hin zur Architektur, die mit Ikonen wie dem Empire State Building und dem Chrysler Building in New York in jener Zeit ganz neue Höhen erreichte.
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Die Designs aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind absolut zeitlos und bis heute beliebt. Sie läuteten den Weg in die Moderne ein und erscheinen uns daher auch heute noch sehr vertraut.










